Der Tausendsassa
Tommy Schmidt
„Ich habe das geschrieben, weil es geschrieben werden musste. Ich habe keine Zielgruppe vor Augen,
kein Genre, das ich bediene — sondern ich sage es,
weil ich glaube, es muss gesagt werden."
Martina Taubenberger
Seit Anfang 2011 begleitet Martina Taubenberger als selbstständige Kuratorin, Konzeptentwicklerin und Künstlerische Leiterin Projekte in ganz Deutschland und im europäischen Ausland.
Im „Blended Art Podcast“ präsentiert Martina Taubenberger Künstler:innen und Projekte, die den Kunstbegriff repräsentieren und reflektiert aus dem Blickwinkel der „blended art“ in unterschiedlichen Formaten über Begrifflichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft.
Tommy Schmidt
…ist Konzept-, Performance-, Aktions- und Medienkünstler und hat zwei Romane veröffentlicht. Er wählt jeweils das Ausdrucksmittel, mit dem er das Thema, das ihn gerade beschäftigt, künstlerisch am wirksamsten erlebbar machen kann.
Es sind gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen, die ihn veranlassen, künstlerisch Position zu beziehen. Dabei verfolgt er ausschließlich künstlerische Ziele.
Seine vorübergehenden Karrieren als Geschäftsführer in der IT-Branche sowie als Werbetexter hat er weit hinter sich gelassen.
In diesem Wohnzimmergespräch mit Tommy tauchen wir ein seinen ungewöhnlichen Werdegang vom erfolglosen Popstar über fiktive Wissenschaftsvorträge in der Berliner Volksbühne bis hin zum Konzeptkünstler. Wir sprechen über die Frage, wann man eigentlich Künstler ist, warum Kunst und Brotjob kein Widerspruch sein müssen und was passiert, wenn man nicht die Themen sucht, sondern sich von ihnen finden lässt.
M.T.: Hallo.
T.S.: Hi.
M.T.: Ja, wir zeichnen jetzt einen Blended Art Space auf.
T.S.: Okay.
M.T.: Und mein Gast heute ist der Tommy Schmidt und dem habe ich das schon so ein bisschen angedroht, als ich ihn zu mir eingeladen habe und ich glaube, du weißt gar nicht so genau, was wir da jetzt machen und warum.
T.S.: Nee, keine Ahnung, aber ich bin zu allem bereit.
M.T.: Genau, also mein Podcast heißt Blended Art Space und es geht so, also der der Rahmen ist einfach mein Kunstbegriff, der ein Kunstbegriff der Blended Art ist und falls du es noch nicht wusstest, du bist ein Blended Artist.
T.S.: Also, ich kann mir das gut vorstellen.
M.T.: Ja. Und wir fangen immer an mit der Frage, also die erste Frage, die wir beantworten, ist immer, wo wir sind. Und wir sind tatsächlich, es ist jetzt 23 Uhr, glaube ich, ja, 23:10 Uhr und wir sind in meinem Wohnzimmer. So fängt es nämlich eigentlich immer an. Ich sag, dass diese Gespräche in meinem Wohnzimmer stattfinden und dann tun sie es in der Regel dann doch nicht. Sind sie dann irgendwie auf dem Balkon oder irgendwo im Hotel, aber heute sind wir echt in meinem Wohnzimmer und was trinken wir denn?
T.S.: Ja, also einen sehr guten Rotwein, gehaltvoll.
M.T.: Einen Syrah.
T.S.: Syrah. Experte bin ich nicht, aber es ist so beflügelnd.
M.T.: Ja, der der Wein hat auch eine doch auch eine schöne Geschichte, weil das nämlich das Weingut der Familie des Managers eines anderen Künstlers ist, mit dem wir gerade arbeiten und das habe ich zu, den habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen, als so einen ganz besonderen persönlichen Wein und den haben wir jetzt, der wird heute Abend, der wird den morgigen Tag nicht erleben, dieser Wein. Der ist praktisch schon quasi fast leer. Jetzt stoßen wir da noch mal drauf an, auf diesen schönen Abend. Zum Wohl.
T.S.: Der Wein hätte es nicht besser treffen können, als von uns jetzt hier verköstigt zu werden.
M.T.: Absolut, der Wein hat uns verdient. Genau und wir sind wie immer ja auch schon so ungefähr drei Stunden am Sprechen, wir haben auch über ein Projekt gesprochen, vielleicht erwähnen wir das nachher noch mal kurz, aber bevor wir klären, wer du bist, gibt’s immer eine Frage, die ganz zu Beginn auch noch zu klären ist, nämlich wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?
T.S.: Ah, da kam der CEO von Serviceplan, einer großen Werbeagentur, bei der ich arbeite, kam an einem Kickertisch, wo ich gerade am Tischfußball spielen war mit Controllern und sagte Tommy, wenn du hier dieses Match gewonnen hast, kannst du dann mal kurz mit mir reden. Ich sag komm, wir reden gleich, also wenn du mich fragst, dann reden wir gleich. Ja, ich möchte, dass du die Frau Doktor Martina Taubenberger mal anschreibst, weil ich glaube, ihr passt gut zusammen mit dem, was du künstlerisch machst, mit dem, was sie betreibt im Werksviertel Mitte und dann habe ich das gemacht. Und dann haben wir uns nach einer ganzen Weile auch tatsächlich getroffen, was sehr schön war.
M.T.: Ich glaube, du musstest auch ein bisschen hartnäckig sein.
T.S.: Ja.
M.T.: Du hast mir drei, vier Mal so geschrieben.
T.S.: Ich habe mehrmals geschrieben, weil ich bin ja brav, wenn der Florian Haller sagt, mach das, dann mache ich das. Und dann stieg die Spannung, wer ist denn das, der da nie antwortet.
M.T.: Das ist auch so ein so ein fast so ein Running Gag bei mir. Ja. Genau. Ja, früher oder später antworte ich immer, aber manchmal braucht’s ein bisschen, aber dann war es so ein bisschen Liebe auf den ersten Blick, glaube ich, ne?
T.S.: Auf den ersten Blick, ja.
M.T.: Wo haben wir uns getroffen? Ich glaube bei euch war das oder war das bei uns?
T.S.: Ich glaube, wir waren irgendwie draußen. Ich glaube vor dem Maris, wir haben uns vorher vor einem Café im Werksviertel getroffen. Da mussten wir uns erstmal kennen, erkennen wir uns.
M.T.: Wir haben uns aber gar nicht erkannt.
T.S.: Und dann ging es irgendwie schnell los.
M.T.: Ja, wir haben uns gleich Ideen gehabt. Nee, das war sehr schön. Und das ist jetzt ungefähr eineinhalb Jahre her.
T.S.: Ja.
M.T.: Ja.
T.S.: Ja, genau. Genau.
M.T.: Genau und jetzt klären wir mal die Frage, was du eigentlich machst, weil das ist gar nicht so eindeutig bei dir. Wir haben hier schon, also wir haben heute muss man auch dazu sagen, wir kommen immer ziemlich schnell in ziemlich bedeutsame Gespräche. Wir haben heute schon über den Tod gesprochen sogar. Und zwar auch aus Anlass, du hast mindestens zwei Bücher geschrieben, sage ich jetzt mal so, weil ich habe jetzt zwei da, aber ich weiß gar nicht, hast du mehr geschrieben oder hast du zwei Bücher geschrieben?
T.S.: Also ich habe drei Buchmanuskripte geschrieben. Eins wurde nicht veröffentlicht, ist dann also kein Buch geworden. Und ich habe aber zwei Buchmanuskripte geschrieben, die sich als Bücher manifestiert im Buchhandel befinden. Und insofern zwei Bücher geschrieben.
M.T.: Genau, die habe ich nämlich da. Ich habe die auch noch nicht gelesen, aber das ist schon mal der Anfang, dass ich sie mir endlich besorgt habe. Und wir haben schon auch über beide Bücher gesprochen. Du bist aber kein Schriftsteller, du bist auch Kurator, Konzeptkünstler. Was bist du eigentlich alles?
T.S.: Bankkaufmann.
M.T.: Bankkaufmann bist du auch noch. Okay, das erschreckt mich jetzt ein bisschen.
T.S.: Nein, das ist nicht schlimm. Das ist der einzige Beruf, den ich tatsächlich erlernt habe, aber nie ausgeübt.
M.T.: Wie ist denn das passiert?
T.S.: Ich war erfolgloser Musiker, also eklatant erfolglos. Schon Popstar, das schon. Ich hatte Fans, aber es hat alles keinen Zweck. Und bin ich zum Arbeitsamt gegangen, habe gesagt, ich bin arm und schwerbehindert und da haben sie gesagt, gut, dann gehst du nach Waldkraiburg in Oberbayern ins Berufsförderungszentrum und wirst Bankkaufmann.
M.T.: Wirklich?
T.S.: Ich war brav und das habe ich gemacht. Ich habe aber nie in einer Bank gearbeitet. Nie, nicht einen einzigen Tag, weil das war ein Behindertenheim. Und da gab es eine Spielbank mit Spielgeld, haben wir.
M.T.: Aber also, dass du Bankkaufmann bist, ist schon fast Konzeptkunst.
T.S.: Ja, also war sozusagen ein Teil und ganz normale Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Und dann bin ich aber bald Geschäftsführer in der IT-Branche geworden und habe da ganz gut Geld verdient meine Zeit lang. Und ich war natürlich immer Künstler. Ich habe es aber zeitweise nicht ausgeübt, was mir nicht gut bekommen ist.
M.T.: So, also.
T.S.: Ja. Also, was bin ich? Ich bin Künstler, das ist sozusagen meine Identität. Und ich habe mir immer die Ausdrucksformen gesucht, die zu den jeweiligen Inhalten oder Fragen gepasst haben, die mich umtrieben haben.
M.T.: Aber du bist auch Werbetexter. Und Motivationscoach.
T.S.: Ja, also ich habe eine Weile als Werbetexter gearbeitet, bis ich das Gefühl hatte, das sollen junge Leute machen. Also, ich war da nicht mehr jung. Und mich haben dann Dinge mehr interessiert, die ich kann, aber kein anderer. Und weil ich so lange Geschäftsführer war und Personalarbeit gemacht habe, habe ich dann mich mit der Frage beschäftigt, wie kann ich Menschen helfen, Sinn stiftende Arbeit zu entdecken oder Sinn in ihrer Arbeit zu entdecken oder wie kann man sich selber motivieren oder wie kann man einen hohen Anteil an Selbstbestimmung für sich erreichen und solche Sachen. Und das ist das, was ich jetzt so in der Erwerbsarbeit mache und ansonsten mache ich Kunst.
M.T.: Aber du bist angestellt bei Serviceplan.
T.S.: Richtig, ja.
M.T.: Und Serviceplan ist eine der größten Werbeagentur, wie sagt man, wer sagt man das noch? Werbeagentur?
T.S.: Ach, na ja, die sagen gerne Kommunikationsagentur oder so. Das ist ja auch irgendwie ein bisschen vornehmer noch. Aber die verdienen auch Geld mit Dingen, die man nicht sehen kann.
T.S.: Also mit Algorithmen und ich weiß nicht was. Also natürlich mit Werbung, dann gucken wir irgendwie einen tollen TV-Spot, wie ein BMW um die Ecke kommt, das ist Serviceplan, aber Serviceplan ist auch, weiß ich nicht, Werbezeitenvermarktung, Kram.
M.T.: So. Und da bist du aber auch schon ziemlich lang, ne?
T.S.: Ja, es werden jetzt 24 Jahre.
M.T.: Ich finde es schon irgendwie eine sehr schräge Kombination, muss ich sagen, ein Künstler, der, das hat mich von Anfang an so, also im ersten Schritt hat es mich, glaube ich, bevor wir uns getroffen haben, fast ein bisschen misstrauisch gemacht, dass ich mir dachte, hä, wie, ein Kurator bei Serviceplan, das konnte ich nicht so richtig einordnen. Ich wusste ja, dass sie Haller eine Kunstsammlung haben, aber mir war jetzt nicht so ganz klar, ich habe dann so ein bisschen auch, Florian Haller hatte mir ja auch von dir erzählt, dann dachte ich so, okay, so dieses Zeitgenössische, Konzeptionelle passt jetzt aber nicht zu dieser Kunstsammlung, zu dieser Haller Kunstsammlung, konnte ich nicht so richtig verstehen und eigentlich so ganz verstehen tue ich es immer noch nicht, was, wieso du dort bist. Also hast du mal drüber nachgedacht, da dann auch zu gehen oder ist das irgendwie ein Widerspruch? War das mal ein Widerspruch, Werbung zu machen und Künstler zu sein?
T.S.: Nein, überhaupt nicht. Also was mir wichtig ist, ist immer und unter allen Umständen meine künstlerische Freiheit zu bewahren, dass ich mich mit den Themen künstlerisch befasse, die mich die sich aufdrängen. Also für mich ist Kunst machen auch ein Auftrag von der Gesellschaft oder eine Verpflichtung vom lieben Gott oder wie auch immer. Ich muss das machen, weil ich es kann. Und in meinem Falle würde ich sagen, wär’s unpassend, das mit irgendeiner Art Erwerbsvorstellung zu verknüpfen, weil ich, weil ich dann meine Freiheit dabei verlieren würde, jedenfalls nach meiner Vorstellung. Und weil ich nun mal Söhne habe, die, der eine ist noch Student und so, man muss halt auch Geld verdienen. Also ist für mich jedenfalls selbstverständlich. Und dann ist das so eine Kombination, ja, Geld verdienen mit Arbeit in einer Werbeagentur und ansonsten Kunst machen. Ja.
M.T.: Und weil du auch gesagt hast vorhin, dir du hast mal eine Zeit lang keine Kunst ausgeübt und das ist dir nicht gut bekommen. Woran hast du das gemerkt? Also wie hat sich das geäußert, dieses nicht gut bekommen?
T.S.: Das war eine Identitätsirritation, so würde ich es beschreiben. Also
M.T.: Ich sage, ich bin Künstler und arbeite nur noch.
T.S.: Ja, also da habe ich es einfach zu wenig praktiziert, ein paar Jahre lang. Weil als Geschäftsführer eines Start-ups, da arbeitet man schon mal 12, 13, 14 Stunden am Tag und ich war da ja auch in bescheidenem Umfang erfolgreich, aber dieses sich künstlerisch zu artikulieren ist dabei einfach zu kurz gekommen und ich bin froh, dass ich das irgendwann zwar aus anderen Gründen, aber einfach auch aufgegeben habe.
M.T.: Jetzt ist es ja so, du bist ja sehr gut vernetzt gerade auch in der Münchner Szene. Also ihr macht ja oder du machst bei Serviceplan auch so einen Kunsttalk des ArtPros, wo ja sehr viel Protagonisten in Münchner Szene auch immer wieder auftauchen. Was ich übrigens sehr schön finde, dass du so einfach die die Künstler der eigenen Stadt auch featurest, weil gerade München ja auch überraschend viele sehr besondere Künstlerinnen und Künstler hat, wie ich finde. Hast du mal irgendwie erlebt, also anders ausgedrückt, die Kunstszene ist ja sehr empfindlich und sehr ungnädig auch mit Menschen, die sich Künstler nennen, aber vielleicht von was anderem leben. Also ich erleb das schon auch oft diese Diskussion, wann ist man denn eigentlich ein professioneller Künstler und wer darf sich denn jetzt eigentlich Künstlerin nennen und wer nicht und wann ist man Hobby-Künstler und wann wird man als Künstler ernst genommen? Hast du das erlebt, also dass das angezweifelt wurde von der der Szene in Anführungszeichen?
T.S.: Ja, also ich habe in einer für mich denkwürdigen Podiumsdiskussion in der Lothringer 13 mit Uli Eigner, die dort Kuratorin war, so eine Erfahrung gemacht, die sagte, Künstler sollten nicht kellnern. . Und ich habe gesagt, Künstler sollten unbedingt kellnern, also ist völliger Bullshit. Weil, wenn man sagt Künstler sollten irgendwie nur Künstler sein, dann kommen sie vielleicht in eine in ein Fahrwasser, wo sie sich selbst reproduzieren.
M.T.: . Und das finde ich künstlerisch nicht akzeptabel, wenn es heißt, ach, du hast jetzt so eine bestimmte Handschrift, kannst du das noch mal machen, kannst du es noch mal machen und kannst du es noch mal größer machen und kannst du es noch mal mehr machen und noch mal länger machen.
T.S.: Und dann stelle ich mir vor, dass wenn ich in so eine Falle laufen würde, dass ich künstlerisch mich nicht adäquat artikulieren kann.
M.T.: Aber ist es denn wirklich so, dass das interessant, dass du das sagst, weil also wir fördern ja auch Künstler und Künstlerinnen und da beobachte ich schon, man macht sich dann ja selber auch Gedanken, also gerade auch, wenn wir jetzt Atelierstipendien vergeben und dann hast du da sehr viele Bewerbungen, etwas worauf ich dann sehr auch achte, ist eben genau das, was du jetzt auch ansprichst, nämlich gibt’s da eine Entwicklung. Also verändert sich diese künstlerische Persönlichkeit irgendwie, also jemand, der schon da 30 Jahre auf der auf der Wiese ist, von dem erwarte ich einfach ein bisschen, dass das nicht nur eine Sache ist, die da immer verfolgt wird. Ich bin da gar nicht so sicher, ob das der die Notwendigkeit ist, davon leben zu können oder ob es dann einfach der Punkt ist, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, dass es Künstlerinnen und Künstler gibt, die über dieses eine Sujet nicht rauskommen. Weiß nicht, ob das was damit zu tun hat, dass man davon leben muss.
T.S.: Ach na ja, ich weiß es nicht. Ich finde, mein Zugang zu dieser Münchner Szene ist eigentlich vor allem der, dass ich seit 10 Jahren mit einer Künstlerin liiert bin, die wirklich diesen ganz klassischen Weg, also Meisterschülerin und Residenzstipendien, Preise, Ankäufe von der bayerischen Staatsgemäldegalerie, also das verkörpert die, das ist ihre Biografie von meiner Lebensgefährtin. Und dann habe ich ganz viele kennengelernt in diesem Milieu. Und ich komme von wo ganz anders her. So. Und ich finde, dass dieses Milieu faszinierend und mit welcher Konsequenz und Akribie, Durchhaltevermögen diese Menschen das so betreiben. Und selbst wenn sie was weiß ich hoch dekoriert sind, arbeiten sie als Kunsterzieher irgendwo oder manche auch dann mal in der Gastronomie, was überhaupt in keinster Weise ehrenrührig ist, wenn man für sich sorgt und wenn es dann auch keine Kunst ist, wenn man seinen künstlerisches Fach beherrscht und betreibt. So, aber ich bin da sozusagen untypisch und fühle mich äußerst geehrt, dass ich als Künstler wiederum in diesem Milieu akzeptiert werde, was überhaupt nicht selbstverständlich ist, wenn man da so, ja, es kommt sogar mal die Frage vereinzelt, ja, bist du Autodidakt?
M.T.: .
T.S.: Ist eine beschissene Frage, also ich war immer, was weiß ich, mit 14 Jahren habe ich angefangen, mich künstlerisch Fragen zu stellen und zu beantworten auf irgendeine Weise. Und da habe ich jetzt keinen Lehrer gebraucht. Und das ist halt mein Weg. Dafür kann ich nicht malen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Bild gemalt. Und wenn man sagte, er ist dann kein Künstler, ja so what, dann halt nicht, ist wurscht.
M.T.: Das finde ich aber spannend, weil also ich glaube, dass das auch vielleicht so ein bisschen der Schlüssel dazu ist, warum du einfach Künstler bist. Also ich habe das ja nicht, also von dem Moment an, wo wir uns getroffen haben und angefangen haben zu sprechen, keine Sekunde angezweifelt, dass du ein ernsthafter Künstler bist und das hat überhaupt gar keine Rolle mehr gespielt, was du jetzt da eigentlich bei Serviceplan gerade machst und womit du dein Geld verdienst. Und ich glaube aber, dass es so eine Art von Authentizität ist, die auch selten ist. Und also du hast gerade gesagt, du wusstest eigentlich irgendwie immer, dass du Künstler bist oder da hattest du diesen Antrieb dich auch künstlerisch auszudrücken. Wo kommt denn das her? Also wann wusstest du das oder wie hast du das gemerkt?
T.S.: Ja, also ich bin schwer krank, ich bin als sehr schwer krankes Kind aufgewachsen. Und eigentlich hat mein Umfeld in meiner Kindheit von mir nichts anderes erwartet, als dass ich gesund werde. . Was ich nicht geliefert habe, daraus wurde nichts. Aber die haben gesagt so, der braucht nicht Fußball spielen können, der braucht nicht Klavier spielen können, der muss nicht gut in der Schule sein. Hauptsache der lebt und so quasi.
M.T.: Es gibt doch ja auch eine Art von Freiheit, oder?
T.S.: Ja, und das war mir zu wenig. Ja. Also ich mich als kranker Mensch zu erleben, der vielleicht mal irgendwie so ein bisschen gesund ist, es hat die anderen haben mehr vom Leben, so. Und dann habe ich beschlossen, Popstar zu werden.
M.T.: Das hast du beschlossen?
T.S.: Ja.
M.T.: Mit wann, mit welchem Alter?
T.S.: 14 ungefähr.
M.T.: Alleine das ist schon fast der Titel für ein Buch.
T.S.: Ja, das hat auch geklappt in bescheidenem Umfang, also das schon.
M.T.: Was hast du gemacht musikalisch? Das weiß ich gar nicht.
T.S.: Also in bescheidenem Umfang erfolgreich war ich mit so einer Art P-Funk, also so eine Art Ghetto-Funk. Ich wusste nicht, dass das das ist, das haben mir andere Leute gesagt, dass das das ist. Aber ich habe sehr freie Experimente gemacht, also sehr frei experimentiert und ich hatte
M.T.: Was hast du gemacht mit Sounds eher oder also gesampelt oder hast du mit Instrumenten gespielt?
T.S.: Ja, gesampelt, das war Anfang der 70er Jahre hat man noch nicht gesampelt irgendwie, aber mit Tonbandschnipseln, Gitarre, kann ich aber gar nicht, das war ein Missverständnis, also. Aber ich habe tatsächlich ein Programm gehabt, das ist künstlerisch immer noch relevant Pontor Vodox. Und das war frei improvisierter Heavy Metal. Also ich habe hier an der Munich Jazz School studiert, das war auch ein Missverständnis, aber ich habe es getan.
M.T.: Wieso ein Missverständnis?
T.S.: Weil ich dachte, die haben gesagt, du kannst das nicht, Tommy. So. Du kannst nicht Musiker werden. So wie dann, also das Ausbildungsziel der Munich Jazz School war in etwa, wenn du da absolviert hast, dann bist du Studiomusiker oder Produzent oder Orchestermusiker. Und ich war halt immer Pontor Vodox, der frei improvisierten Heavy Metal gemacht hat. Und das war künstlerisch wertvoll, wobei die meisten Leute haben gesagt, es ist eher so Lärm. Also Peter Brötzmann hat mit meinem Vater zusammen vor der Bühne gestanden, haben mir einen Vogel gezeigt. Peter Brötzmann war der Free Jazz.
M.T.: Ich kenne, also ich kenne Peter Brötzmann.
T.S.: So, und der hat gedacht, was ist das da, der der hat den Jazz gar nicht überwunden, der hat da gar nicht, der ist da gar nicht eingestiegen, der hat gleich frei improvisiert.
M.T.: Das macht man nicht. Klar, ja, klar. Also da hast du ja schon, da hast du ja schon da alle Regeln gebrochen.
T.S.: Ja, ja, also ich meine Pontor Vodox, da war ich jetzt 23, zwischen 14 und 23 ist natürlich auch eine Entwicklung, aber mein Vater hat Tage der Neuen Musik veranstaltet in Hannover.
M.T.: Ach, das heißt, du war aber schon dann Bezug da in der Familie, ja.
T.S.: Ja, der ist Dirigent gewesen, Chordirigent. Und er hatte mit Klaus Hasshagen zu tun, der war Leiter des Funkhauses Nürnberg vom Bayerischen Rundfunk und der hat auch sich mit ganz viel mit neuer Musik befasst, Professor Hasshagen und der hat auch meine Versuche gehört und mit mir darüber gesprochen und das hat mich, da war ich dann so 18 oder so, fand ich irgendwie zumindest motivierend mich weiter damit zu befassen. Und das hat eine Weile gedauert, bis ich festgestellt habe, für das, womit ich mich beschäftigen möchte künstlerisch, ist Musik nicht das geeignete Medium. . Und dann habe ich mich mehr mit Sprache beschäftigt. Habe ich fiktive Vorträge gehalten über den Schmetterlingseffekt in der Chaostheorie in der Volksbühne in Berlin.
M.T.: Als Gast von Benno Ohnesorg Theater. Wie bist du denn dazu gekommen?
T.S.: Ja, also ich habe so Spoken Word Performances in Hannover gemacht, im Künstlerhaus in Hannover, wo ich ja herkomme, aus Hannover. Und meine Freunde, die dort so diese Performance Reihe gemacht hat, die hatten auch Wieglav Droste zu Gast und Michael Stein. Und die haben das Benno Ohnesorg Theater betrieben in der Volksbühne.
M.T.: Natürlich toll, irgendwie ausverkauftes Haus und Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und da habe ich dann meine Vorträge gehalten.
T.S.: Spontan Vorträge, improvisierte Vorträge?
M.T.: Improvisiert nicht, nein, also das war schon geskriptet einigermaßen, aber fiktive Vorträge, es hat so getan, als würde es einen bestimmten Wahrheitsanspruch verkörpern, als wäre das was wissenschaftliches, war aber was dichterisches.
T.S.: Das ist großartig.
M.T.: Das finde ich echt schön.
T.S.: So und das war halt ohne Mittel der Musik dann, so.
M.T.: Abgefahren. Und aber du bist nie auf die auf die Idee gekommen, das in irgendeiner Form zu studieren?
T.S.: Aber was hätte ich da studieren sollen? Also da gibt’s ja kein Studienfach für.
M.T.: Also wüsste ich jetzt nicht. Eigentlich ja auch heute noch nicht, ne?
T.S.: Ich wüsste nicht, was man da studieren soll. Also ich meine, es ging ja auch ohne. Also ich habe Abitur habe ich nicht geschafft oder habe ich nicht gewollt, weiß nicht. Also das ganze akademische, also ich habe schon, ich habe Vorlesung gehalten, das schon, aber studiert habe ich nicht.
M.T.: Nee. Das ist das ist echt faszinierend, weil also ich klar, ich glaube, also wenn du aus dem schon aus dem künstlerischen familiären Umfeld kommst, ne, dann glaube ich, ist es schon, also wenn ich das jetzt mit mir vergleiche, in meiner Familie ist so das Berufsbild Künstler existiert da jetzt eigentlich gar nicht. Und dann hast du keine andere Möglichkeit, als in irgendeiner Form einen akademischen Weg zu gehen. Ich habe meinen Weg da ja dann auch irgendwie hingefunden, aber über also völlig andere Wege, halt wirklich über ja, ich interessiere mich für Literatur, was kann man denn da machen? Ja, da kannst du eigentlich nur Journalistin werden. Also was studiert man da, ja, Kommunikationswissenschaft und Literaturwissenschaft, so hat es bei mir angefangen, habe ich halt aber schnell gemerkt eben, dass es nicht der Journalismus ist, aber das wäre so, ich glaube so aus meiner Biografie raus wäre so ein so ein Weg gar nicht möglich gewesen. Glaubst du, dass einfach die Tatsache, dass du durch deinen Vater schon ein anderes Umfeld kennengelernt hast in deiner Kindheit, dass einen das mutiger macht auch so einen Weg zu gehen oder hat es damit nichts zu tun?
T.S.: Das ist eine gute Frage, vielleicht ist es so und ich komme zu dieser Erkenntnis während dieses Gesprächs hier. Tatsache war, dass mein Vater mir Wunderkinder vorgeführt hat, da guck mal, die Anne Sophie, ja, Anne Sophie Mutter, das war so ein Wunderkind, die mein Vater betreut hat, was mein Vater betreut hat. Ich sage, lass mich in Ruhe mit Anne Sophie, ganz ehrlich, also so das war nicht etwas irgendwas erstrebenswertes. Aber natürlich gab es so Berührungsflächen mit meinem Vater, die mich wahrscheinlich doch, der hat auch immer meine Gitarren bezahlt und so. Also irgendwie gab es da was, was nie wirklich zu einer Art Zusammenarbeit oder sowas geführt hat. Aber ich bin jetzt dankbar für die Frage, weil das bringt mich dazu, noch mal da ein bisschen nachzuforschen, was war denn da. Das war ja jetzt kein Bauer, der gesagt hat, Tommy, du wirst Bauer, so, sondern irgendwie, er ist Musiker, ich mache Kunst, wo sind da Berührungsflächen, die sich befruchten oder nicht, ja.
M.T.: Ja, ich finde es ganz spannend, weil ich glaube, dass man, wenn das irgendwie der eigene Weg ist, dann findet man den Weg dahin. Bei mir war es auch über die Musik, aber eben ganz klassisch einfach Mainstream, das meine Eltern haben mich da auch sehr gefördert, also halt Instrument lernen und dann aber ein sehr eher ein sehr klassischen Weg gehen. Und bei mir war das dann ein Auslandsaufenthalt, also ein Jahr in USA, wo ich dann so richtig in die Jazzszene eingetaucht bin und so dieses, wenn ich, ich hatte aber vorher immer den Wunsch improvisieren zu lernen und ich habe verzweifelt versucht, jemanden zu finden, der mir das beibringen kann und das konnte mir aber in meinem Umfeld halt keiner beibringen, weil das halt auch keiner konnte. Und dann war das so ein so ein Turning Point irgendwie und ich glaube, dass man irgendwie, also ich glaube da so an so eine Art Gravitation, ich glaube, dass man dahin hingezogen wird, aber so aus welchen Richtungen man da kommt, finde ich extrem spannend. Und meine These ist ja auch, dass es so wahnsinnig wichtig ist, dass man jungen Menschen Berufs solche Berufsbilder zeigt und aufschließt. Also wir haben, ich mache ja viel auch Jugendprojekte in Schulen und ich glaube, das wichtigste daran ist nicht, was machen die da jetzt eigentlich oder kommt da hinterher was auf die Bühne oder nicht, sondern das wichtigste ist, dass junge Menschen mit erwachsenen Menschen in Kontakt kommen, die Kunst zu ihrem Lebensinhalt erklärt haben, was für viele, gerade wenn man jetzt mit Menschen aus , also mit jungen Leuten aus wie heißt wie heißt Hauptschule heißt es nicht mehr, Mittelschule, wie heißt das? Mittelschule, genau. also jetzt nicht Gymnasium, sondern irgendwie einer Schule, die meistens nicht in ihrem familiären Umfeld irgendein Künstler kennen, irgendjemanden, der das zu seinem Lebensinhalt macht. Und ich glaube, dass das, dass das total viel macht. Und dass es viel mehr passieren müsste auch. Ich will z.B. mal interessieren, ob in so einem Ort wie Oberammergau, wo es diese , wo es diese Passionsfestspiele gibt, ob da überdurchschnittlich viele Menschen in künstlerischen Berufen landen, einfach weil sie schon so früh mit anderen in Berührung kommen, die das machen.
T.S.: Ich weiß nicht, ob es da Studien gibt dazu.
M.T.: Aber es ist ja fast so ein Reallabor. Oberammergau ist ja fast ein Reallabor, weil du kannst da ja gar nicht groß werden, ohne irgendwann mal da mitgespielt zu haben.
T.S.: Ich meine, interessant ist, dass z.B. Kofelgschroa kommen daher irgendwie und wie heißt der Pongratz so und so, also da kommen schon so Persönlichkeiten her, die dann als Kinder da schon irgendwie mit ihren langhaarigen Vätern, die sich die Haare nicht schneiden lassen durften.
M.T.: Ja, das hat ja auch eine, das hat ja auch eine Radikalität, wie da eben dieses Schauspiel, dieses Laien Schauspiel einfach gelebt wird und wie das dieses ganze diesen ganzen Ort so durchdringt, da kann man ja, also da ist ja so, du kannst kommst ja an diesem Theater gar nicht vorbei.
T.S.: Ja, ich habe es wieder nicht geschafft, dieses
M.T.: Ich auch nicht, aber ich habe mir jetzt, ich habe mir jetzt ein eigenes Oberammergauer Gelübte gegeben, beim nächsten Mal gehe ich dahin. Ja. Muss das schon mal gesehen haben.
T.S.: Ich habe es gab dann irgendwie keine Karten, also ich wollte wirklich und
M.T.: Ach, du hast es versucht.
T.S.: Ja, ich habe es versucht, aber ich wollte auch alleine, meine Freundin, die kommt nicht in die Gänge, ich mache das jetzt, ich ziehe das jetzt durch. Und es ging irgendwie ging es nicht. Ich weiß auch nicht. Also, nein, ich finde das ja, ich finde das alles großartig. Also ich meine dieser Impuls, also ich will mich jetzt artikulieren zu was. Ich will eine Aussage treffen, eine künstlerische zu etwas, was mich bewegt, zum Thema freiwilliges Ableben interessiert mich. So, das ist ja erstmal frei von irgendeinem
M.T.: Tut’s das, was es soll?
T.S.: Ja.
M.T.: Ja, wir haben jetzt noch mal kurz geguckt, ob das überhaupt hier aufnimmt, weil
T.S.: Ja, okay. das ist frei, wie soll ich sagen, das ist nicht verknüpft mit irgendeinem anderen Ziel, als ich will das Thema durchdringen und ich will diese Aussage treffen. Das ist nicht mit, ich will dann und dann damit auf die Bühne und ins Fernsehen und Geld verdienen und, sondern es ist das Thema selbst. Und so, also ich weiß nicht, ich habe nicht so eine Erfahrung damit, wie verknüpfe ich das mit einem Berufsbild. Also z.B. wenn mich Leute fragen, wer liest denn das oder für wen hast du das geschrieben? Ich sage, ich habe das, ich habe das geschrieben, weil es geschrieben werden musste. Ich habe jetzt keinen, was weiß ich, eine Zielgruppe vor Augen oder dass ich ein Genre bediene, junge Erwachsene, Frauen oder irgendwas, sondern ich sag’s, weil ich glaube, es ist gesagt werden muss.
M.T.: Aber das finde ich, das finde ich echt faszinierend. Weil ich mache mir auch schon länger irgendwie Gedanken drüber, inwiefern so ein, sage ich mal, ganz tief durchdrungener künstlerischer Ansatz auch ein sehr forschender auch, also wie du es jetzt gerade beschreibst, wo eigentlich da die Gemeinsamkeiten sind zwischen Wissenschaftlern und Künstlerinnen, also was ist da, die Sprachen sind sehr unterschiedlich, also wir machen ja viel Projekte auch auf der Schnittstelle, das ist sehr schwierig, also die die Strukturen sind sehr anders, die Sprachen sind sehr anders, die Denkweisen sind sehr anders, aber irgendwie so dieser Antrieb, das scheint ja doch der, das scheint ja doch irgendwie eine Parallele zu sein.
T.S.: Also, ich fühle mich so gesehen manchmal einem Forscher weit, weit enger verbunden, als jetzt einem Saxophonisten in einer Tanzband oder so, sondern eher so Ergebnis offen, was steckten da dahinter und wie findet man das darauf irgendeine Art von Antwort oder so. Ja, Künstler, darstellende Künstler, es gibt schreibende, es gibt musizierende, also eine bunte Welt. Und meine ist halt die, ja, vielleicht das mit dem forschenden, das mit dem suchenden ist glaube ich ein ganz ergiebiges Feld.
M.T.: Ja, und drum ist es , vielleicht ist es deshalb auch so, finde ich dich deshalb auch so faszinierend, weil du außerhalb der Systeme aber also außerhalb der Systeme unterwegs bist, die sich ja auch der Kulturbetrieb oder der Kulturmarkt geschaffen hat. Ich habe mal, ist ganz interessant, ich habe mal einen Artikel gelesen über Marketing als Systemtheorie, also eine systemtheoretische Betrachtung von Marketing und dann also da habe ich so angefangen drüber nachzudenken, was eigentlich die Rolle der Kunst ist überhaupt in einem systemtheoretischen Modell. Und ich glaube, dass es halt, also es ist jetzt irgendwie, würde jetzt vielleicht ein bisschen zu weit, aber Marketing funktioniert ja so, dass du versuchst auch stabile Kundenbindungen herzustellen. Also eigentlich, was du tust, wenn du Vertrieb machst und Marketing machst, ist, du versuchst so viele andere Systeme wie möglich an dein System anzubinden, um so eine stabile Kundenbindung herzustellen. Und das machen wir in der Kultur aber auch. Also wir verlangsamen das ganze System Kunst, indem wir uns an einem Markt orientieren. Und wenn und dann frage ich mich, wo ist da der Künstler? Und wenn der Künstler im System drin, in diesen Systemen drin ist und nicht außerhalb dieser Systeme steht, dann kann er ja nicht mehr forschender sein und dann kann er nicht mehr Perspektivenwechsel, also im wahrsten Sinne des Wortes, ne, kann kein Perspektivenwechsel mehr vornehmen. Und da frage ich mich halt manchmal, wir, inwiefern ist z.B. ein Orchestermusiker ein Künstler?
T.S.: Das kann man sich schon fragen. Also ich meine, ich habe Orchestermusiker kennengelernt, die sind dann, ja, weiß nicht, Aktentasche mit dem Apfel und Thermoskanne drin oder so zur Probe.
M.T.: Das heißt ja auch Dienst.
T.S.: Ja, dann ist es für mich halt der künstlerische Anteil, an dem wir ja sich artikuliert, eher, sagen wir mal, geringer, als wenn er jetzt noch was erfindet oder keine Ahnung. Also, aber ist ja auch nicht schlimm. Also ich, ich mir fällt eine schöne Geschichte ein, also ich finde sie schön. da habe ich mit einem Freund zusammengestanden, irgendwie in der Galerie und dann kam ein anderer Freund, der Künstler ist, den ich auch als Künstler sehr ein bisschen verehrt habe. . Und dann frage ich, du, was machst denn du zurzeit künstlerisch? Und dann sagt er nichts. Und dann sage ich, du, wir beide, ich und der andere Freund, wir beide, wir zahlen einen Haufen Steuern dafür, dass du Kunst machst. Und du hast ein Studium gehabt, du bist hast ein Diplom an der Akademie gemacht, du bist Künstler, jetzt machst du aber auch bitte Kunst.
M.T.: Das ist ein sehr lustiger Dialog. Das kannst du fast auf die Bühne stellen.
T.S.: Ja, und dann hat er so, ach, echt, also so, der ist inzwischen selbst Kunstprofessor und macht echt Kunst. Also er ist im System als ja, Professor, was Professoren halt so machen. Und ist absolut ernst zu nehmen, der forschender, fragender, experimentierender, neue Dinge schaffender Künstler, also beides. Und das finde ich höchst respektabel und da kommen tolle Sachen bei raus. Das ist wirklich.
M.T.: Ja, ich glaube, ich will auch nicht damit sagen, dass ich das, dass ich das ausschließt, aber ich glaube, dass das eine große Gefahr ist, dass wir halt dass man, man muss einfach immer aufpassen, also Strukturen geben ja auch Stabilität. Also wir versuchen uns ja, also im Kulturbereich, in der in der Kunstszene, wir versuchen uns ja Strukturen zu geben, um auch nachhaltig sein zu können, Dinge zu verstetigen, bis hin zu halt Budgets auch festbinden. Also was du da auch sagst, ne, Steuergelder einfach, dass die, dass die dauerhaft und nachhaltig und verlässlich auch wirklich in die Kunst fließen. Dafür braucht es Strukturen und Systeme. Aber es wird halt dann gefährlich, wenn das zum Selbstzweck wird und das passiert, finde ich, schon viel zu viel. Dass wir mehr Energie darauf verwenden, die dann die Strukturen am Leben zu erhalten, als eigentlich dafür zu sorgen, dass neue spannende Kunst, dass neue Fragen gestellt werden, dass echte Fragen gestellt werden.
T.S.: Ich glaube, ich möchte noch was nachtragen, wenn es um interpretierende, darstellende etc. Künstler gibt. Also das wäre jetzt da würde ich mich falsch verstanden fühlen, wenn ich jetzt meine, das ist sozusagen in irgendeiner Form weniger wert oder so, wenn nämlich ein Orchestermusiker, ein Schauspieler um den adäquaten Ausdruck ringt dessen, was er da, das ist ja auch eine Interpretation oder das ist ja nicht nur, da ist eine Note und ich spiele ich dann, sondern wenn ich so von einem als Teil eines Klangkörpers, dem den Ausdruck verleihe, dem gebührt. Und das finde ich hochrespektabel, auch dann, wenn sich der Interpret sozusagen dabei zurücknimmt zwangsläufig, weil er eben nicht der große Solist ist oder nicht der, der was weiß ich, fotografiert wird oder so, sondern weil er dient. Und das finde ich hochrespektabel, wenn es so ist. Und das gibt es ja. Also ich meine, man sieht Interpretationen von großen Werken, wo man das Gefühl hat, da ist jeder irgendwie dabei und übrigens gerade in der Flüsterkneipe vor gestern, da habe ich so ein Gefühl gehabt, die leben für jede Note, die die da spielen. Und das da ging es eben nicht nur um die Sängerin, die dann da vorne stand, sondern einer von drei Saxophonisten und jeder für sich trägt zu diesem Erlebnis, zu diesem Ausdruck bei.
M.T.: Das ist ein sehr schöner Gedanke, ja. Ich meine, dass wenn um wirklich komplexe Kunst überhaupt realisieren zu können, dass es da eben Künstlerinnen braucht, die sich in den Dienst dessen stellen, ja. Und ihre ihr ihr ihren individuellen Ausdruck an der Stelle unter Umständen auch zurücknehmen, im Dienste des großen Ganzen, so, ne? Also, es man könnte ja keine Symphonie, keine Bruckner Symphonie, keine Beethoven Symphonie aufführen, wenn da nur Individualisten sitzen, die eigentlich ihre eigenen Kompositionen nur spielen wollen.
T.S.: Richtig, aber wenn es dann so ein Moment, er steht, wo die sich das zu eigen machen, also das ist dann schon sie selbst als etwas, was sich so ein einfügt. Ja, also, mein Vater hat bei Celibidache studiert und wenn in dieser Nachkriegszeit waren andere Weichen anders gestellt worden, wären, hätte der sehr viel mehr noch aus sich aus sich machen können. Das schicksalhafte Verkettungen, sage ich mal, aber Celibidache muss für ihn ganz großer gewesen sein. Und dann habe ich manchmal erlebt, wenn er so, was weiß ich, Haydn, die Schöpfung aufgeführt hat, da stand er dann im Frack und hat es für mich als Kind wahrnehmbar geschafft, die Leute so hinter sich zu bringen. Da war er schon für mich auch ein ganz großer dann. und den Eindruck hatte ich, also, ich habe jetzt nicht so das Urteilsvermögen sicher gehabt, aber dieser Eindruck hat sich so ein bisschen auf aufgedrängt, dass er das geschafft hat, das war schon faszinierend.
M.T.: Ja, oder auch wenn man an Schauspieler denkt, die ja auch, wenn ein guter Schauspieler, der einfach einen Text komplett neu, also völlig neu zum Leben erwecken kann. Ja. Also das ist, ich glaube so, das ist Schauspielkunst ist auch so eine, wo der Schauspieler, die Schauspielerin spricht keinen eigenen Text, also nichts, was er oder sie selbst geschrieben hat, und trotzdem ist es aber so eine hoch individuelle Kunst. Also es ist schon eigentlich irgendwie so faszinierend, dass wenn man sich mal so, wenn man sich mal so die Sparten auch durchgeht, also wenn ich jetzt mal hier einen Schriftsteller, ja, der schreibt ein Buch, das ist eigentlich eine sehr einsame Tätigkeit. Wenn er Glück hat, hat er einen guten Lektor oder einen guten Verleger oder Verlegerin, wo es ein sehr intensiven Austausch gibt, aber am Ende des Tages ist es einfach ein Werk, was du als Einzelperson lieferst, teilweise auch sehr umfangreich, wo du dich vielleicht Jahre damit beschäftigt hast und dann ist es aber das, was es ist und dann gibst du es auch ab. Und du bist bei der bei der Rezeption selber gar nicht mehr dabei. Und dann hast du auf der anderen Seite einen Performer, Performerin, Musiker, Musikerin, wo alles im Moment entsteht und wo, wo du mit derselben Sache irgendwie auf einen Schlag hunderte oder tausende Leute auch gleichzeitig erreichst und da hast du dann wieder so diese Diskrepanz, wenn ich jetzt was spiele, was ich nicht selbst komponiert habe, das ist schon ziemlich vielschichtig eigentlich so die Frage, , was ist der der der Beitrag des jeweiligen Künstlers, der Künstlerin in den unterschiedlichen Sparten und dann aber auch wieder in den ganz unterschiedlichen Strukturen und Genres und Ausdrucksformen. Ich habe noch nie so drüber nachgedacht, man ist ja immer so sehr in seinem eigenen auch verhaftet.
T.S.: Ja, ich meine, ich habe, als ich so dieses Funkprojekt hatte, also was, ich meine, ich hatte in 12 Jahren über 70 Musiker. So und von denen, also jedes Mal 15 bis 20 Musiker auf der Bühne und dann waren die wieder ausgetauscht und es gab selten Proben.
M.T.: Waren das 15 bis 20 Musiker auf der Bühne?
T.S.: Ja.
M.T.: Was war das so, was war denn da so das größte, was du da so, wo du sagst so, das war so ein Peak Moment deiner Musikerkarriere, deiner Popstar Karriere?
T.S.: Das das größte war das Konzert, was gar nicht stattgefunden hat, weil ich auf den Hamburger Rathausmarkt engagiert war und als Top Act und vor mir haben die Rodgau Monotones gespielt, völlig beschissene Showband, echt richtig scheiße, richtig scheiße. Und da waren 3, 4000 Leute, die haben getobt vor Begeisterung für diese Rodgau Monotones. Und dann hieß es so, jetzt kommt Tom Rods, so hieß das, war mein Künstlername. Und dann kam die Polizei und hat gesagt, nee, ist verboten, ist zu spät, geht nicht mehr.
M.T.: Ach nein.
T.S.: Da waren 5000 Leute oder 4000 Leute auf dem Rathausmarkt. Und dann habe ich am nächsten Abend aber in der Ritze gespielt auf der Reeperbahn, im Boxring. Und da waren dann 100 Leute und das war ein Fest. Also so.
M.T.: Wie lange ist das her?
T.S.: Das ist etwa 35, 38 Jahre ungefähr müsste es jetzt sein. Ungefähr. Man findet nichts im Internet, es gab kein Internet und ich war, ich bin nicht berühmt genug geworden, wie was weiß ich, Elvis Presley ist alles voll im Internet, aber da ist nichts zu finden.
M.T.: Hast du Platten aus der Zeit?
T.S.: Ja, also es ist eine Platte gemacht worden, die ist ganz schlecht. Ja, ach, mein Gott. Ja, es war nicht kommerziell, die die Plattenfirmen haben das, da kam ich zu einer Plattenfirma, CBS in Frankfurt und die haben gesagt, die Ärzte, das ist jetzt das Ding, die Ärzte. Das ist vielleicht 35 Jahre her, ich weiß nicht mehr genau, mehr als 30 Jahre. Und dann ist, das ist euer Ernst, dass so damit haben wir hier nichts zu tun haben, wir wollen auch mit dir nichts zu tun haben. Also es war völlig. Ich bin froh, dass das nicht geklappt hat, weil, wenn es geklappt hätte, wäre ich vielleicht in einen Sog geraten, der mir künstlerische Freiheiten genommen hätte. Das war so, ja, wie soll ich sagen, da stand auch eine künstlerische Botschaft irgendwie dahinter, die wollte aber keiner hören, die Leute wollten irgendwie so eine Art Soulmusik hören oder sowas, keine Ahnung.
M.T.: So mal ganz kurz noch, weil es schon mal so 54 Minuten du schauen.
T.S.: Ja.
M.T.: Wie viel Prozent haben wir noch? 6 % Strom haben wir noch.
T.S.: Ach so.
M.T.: wir können auch einfach hier das Ladekabel einstecken. Das haben wir ja hier schon vorbereitet. Genau, aber vielleicht kannst du schon mal ein bisschen erzählen, was gerade was gerade ansteht.
T.S.: Ja.
M.T.: Das haben wir viel über auch vergangenes geredet, aber du machst ja durchaus auch sehr real und sehr zeitgenössisch aktuell auch Sachen.
T.S.: Ja, also was mich jetzt schon seit einem Jahr umtreibt und da steht jetzt kurz vor der Verwirklichung, ist etwas, was ich den Putisch nenne. ich habe wie Milliarden Fernsehzuschauer mit Staunen im Fernsehen gesehen, wie Putin und Macron oder Putin und Scholz an einem 6 m langen Tisch nicht miteinander ins Gespräch kamen. sowohl Macron als auch Scholz haben den russischen PCR-Test verweigert, wer weiß, was da Putin mit unserer Spucke macht. Und dann hat der Putin gesagt, gut, also dann gebe ich euch nicht die Hand und dann setzt, führen wir ein Gespräch auf 6 m Distanz an diesem berühmten Tisch. Und dann habe ich gedacht, Mensch, der arme Tisch, der ist ja nicht dafür gemacht worden, dass Leute voneinander wegsitzen, sondern dass Leute zusammensitzen. Und ein Symbol für Distanz, erstens, physisch, weil man kann sich nicht mal die Hand reichen über diesen Tisch, also extrem physische Distanz, aber auch weltanschaulich, die hatten sich ja eigentlich nichts zu sagen oder waren nicht um Verständigung bemüht, der eine vielleicht mehr als der andere, aber irgendwie kam da nichts zustande. Und dann war und ist meine Idee, diesen Tisch zu kopieren, ich baue einen eigenen Tisch, den nenne ich Putisch und dieser wird ein Ort der Begegnung, der Verständigung, des Miteinanders, der Freundschaft. Also ich heile sozusagen an diesem Tisch etwas, was da im Kreml nicht zustande kam. Und dieser Tisch wird gerade gebaut und dann werden da Veranstaltungen stattfinden, wie kleine Chorkonzerte, Performances, Künstler machen Installationen, meine Mutter will dort Rollenspiele machen mit Kindern, die ist Rollenspiel Leiterin ausgebildet und solche Sachen. Also das umtreibt mich gerade, dieses Symbol sozusagen neu und positiv aufzuladen.
M.T.: Genau und das wird unser auch unser nächstes jetzt gemeinsames Projekt. Haben wir schon eins zusammen gemacht? Nee, wir haben das ist unser erstes gemeinsames Projekt.
T.S.: Das ist unser erstes Projekt.
M.T.: Ja, fühlt sich nicht so an. Fühlt sich so an, als würden wir schon sein.
T.S.: Kann ja sein, dass wir auf irgendwelchen Kanälen schon
M.T.: In irgendwelchen Paralleluniversen haben wir glaube ich schon ein paar Sachen gemacht. Aber wir reden ja auch schon jetzt seit einem Jahr da drüber und es war ja nicht ganz einfach, aber jetzt haben wir es jetzt kommt es endlich, jetzt kommt der Putisch.
T.S.: Ja, ja, ich meine, es ist normal, dass Dinge nicht einfach sind, diese Bücher, 5, 6, 7 Jahre schreibt man an so einem Buch, weil die Herausforderung künstlerisch eben so groß ist. Das ist nicht mal, man schreibt mal eben einen Krimi. Und diese Sache war zwar konzeptionell sehr schnell, also das war schnell da, das war im Moment, aber dann will man es aus Beton haben und dann kriegt man die Kohle nicht zusammen und blablabla, wie das Leben so ist.
M.T.: Und dann war Herbst und dann, ja.
T.S.: Ja, ach, na ja. Also, ich freue mich drauf.
M.T.: Ich freue mich auch. Letzte Frage noch, wenn jetzt, was wäre so ein Traum von dir, so ein Traumprojekt, wenn Geld keine Rolle spielen würde und Rahmenbedingungen keine Rolle spielen würde, was würdest du gerne noch mal machen?
T.S.: Also, das ist jetzt die erste Frage, die ich jetzt so nicht beantworten kann, weil wenn die Frage da, wenn sie sich mir stellt, dann bin ich schon auch gleich, dann fange ich auch gleich an. Und ich frage mich aber gerade nichts, so, also es drängt sich mir jetzt im Moment nichts auf. Das passiert, das ist nicht, ich gehe nicht auf die Suche nach Stoffen, sondern die Stoffe finden mich. Ja, bei diesem einen Buch zum Thema kommerzielle Sterbehilfe,
M.T.: Das heißt übrigens, jetzt nennen wir auch mal den Titel.
T.S.: Heavens Gate.
M.T.: Heavens Gate heißt der Roman, genau.
T.S.: Da war ein Artikel über, wie hieß er, Michael Käfer, der Gründer von dieser Käfer Feinkostkäfer. Nicht Michael, der Vater, Gerd Käfer. Der hatte sich sein eigenes Mausoleum bauen lassen und hat dann gesagt, jetzt kann ich eigentlich sterben, weil es irgendwie fertig ist. Hat gesagt, ist der nicht ganz dicht oder so, also was ist denn das denn? Und dann kam ich auf Sterbehilfe, dass mich das interessiert. Und so sind es Dinge, die in der Welt passieren, die mich sozusagen auffordern, da Position zu beziehen.
M.T.: Und deswegen
T.S.: vertragen wir diese keine Ahnung, ich weiß es nicht.
M.T.: Wir reden wahrscheinlich sowieso irgendwann noch mal einen zweiten Podcast aufnehmen. Ich meine, da haben wir ja eigentlich angefangen heute Abend, ne, mit dieser Frage, was dann so ein so ein Gedankenexperiment eigentlich, wie man dann so schnell auf philosophische Ebenen kommt, ne, was das eigentlich, wie frei ist so eine Entscheidung, wie ja, wie denken wir über den Tod oder überhaupt über Krankheit auch und Alter.
M.T.: Entschuldige.
T.S.: Jetzt, wo ich die Gelegenheit noch habe, ich sage, was mein nächstes Projekt ist.
M.T.: Ja.
T.S.: Das steht, das wird es geben. Und zwar ist die Ost-West-Friedenskirche von Väterchen Timofej im Olympiapark abgebrannt.
M.T.: Ach.
T.S.: Ja, die die gibt es nicht mehr. Kennst du die?
M.T.: Nee. Okay. Wann ist die abgebrannt?
T.S.: Ich glaube, letztes Jahr. Also Väterchen Timofej, ein russischer ja, Eremit, hat Ende oder nach dem Zweiten Weltkrieg gesagt, wenn ich diesen Hungerwinter überstehe in München, dann als Gelübte baue ich eine Kirche und die hat er gebaut im Olympiapark mit eigenen Händen, mit seiner Frau zusammen, hat da eine russisch-orthodoxe Kirche gebaut. Und dann kamen die Olympischen Spiele und es hieß, oh, da ist ein Schwarzbau, der muss weg. Und dann gab es eine große Kampagne von der Abendzeitung und der Hans-Jochen Vogel, der Oberbürgermeister von München damals, hat sich dahinter geklemmt, hat gesagt, Väterchen Timofej muss bleiben. Dann hat er jetzt seinen Schwarzbau da irgendwie, was weiß ich, wie lange, 50, 60 Jahre, keine Ahnung, war der da? Ich habe Väterchen Timofej kennengelernt, als er ungefähr 106 war. 111 ungefähr ist er dann gestorben.
M.T.: Ach, wie krass.
T.S.: Und diese Kirche, Ost-West-Friedenskirche, mehr wie eine Kapelle, ja, aber vollgestopft mit Fake Ikonen vom Flohmarkt quasi. Also, wenn man jetzt auf dem Flohmarkt geht, sieht man so ein Abendmahl von so einer Art, was weiß ich, oder Krimskrams aus Altötting, alles voll. Und jetzt ist das Ding abgebrannt. Und für mich war es der spirituellste Ort in München. Und ich werde die Ost-West-Friedenskirche wieder aufleben lassen im Klohäuschen an der an der Großmarkthalle. Also, ich werde Menschen auffordern, mir alle möglichen heiligen Bildchen zu schicken und die werden alle aufgehängt im Klohäuschen, dann wie in der Ost-West-Friedenskirche, wird alles oben mit Aluminiumfolie mit so aus was weiß ich, Schokoladentafeln, also wie man dieses Staniol. Und dann wird es eine Menge Weihrauch geben und Gesänge und dann werde ich die Ost-West-Friedenskirche wieder aufleben lassen im Klohäuschen an der Großmarkthalle.
M.T.: Aber temporär.
T.S.: Ja, temporär.
M.T.: Und wann?
T.S.: Mensch, ich weiß gar nicht, ob ich das alles so sagen darf, dass ja, also im Sommer, Spätsommer diesen Jahres.
M.T.: Okay, es wird ja nicht übermorgen gesendet, also.
T.S.: Okay, aber das ist der Plan, das ist mein nächstes Projekt.
M.T.: Okay, sehr schön. Ja, das war jetzt sehr exklusiv, schau. Jetzt haben wir noch so eine exklusive Nachricht da.
T.S.: Und der, ja, nee, lassen wir es mal dabei. Ja, genau.
M.T.: Okay. Du hast keine Muttersprache außer Deutsch, oder? Du bist deutscher Muttersprachler?
T.S.: Ja, ja.
M.T.: Ja, aber sonst bitte ich immer die Gäste noch am Schluss noch was, einen Gruß zu sagen in der Muttersprache, aber der Tommy hat heute was gemacht, das ist mir in meinem ganzen Leben auch noch nicht passiert. Du hast mir heute statt Blumen oder Wein ein Gedicht mitgebracht.
T.S.: Ja.
M.T.: Insofern hast du schon einen besonderen Gruß, den wir aber jetzt nicht wiederholen, weil das war ja nur für mich, es war ja nur mein Mitbringsel. Genau, deshalb, ja, danke dir.
T.S.: Ja, sehr, sehr gerne.
M.T.: Was, was schlimm?
T.S.: Es hat mich gefreut, es war großartig. Ich habe wieder was gelernt und du hast mich wieder mit was nach Hause geschickt, wo ich ein bisschen drauf rum denken muss und sag, aha, okay, ja, gut.
M.T.: Schön, das, das war der Plan sozusagen. Genau, ich, meine letzten Worte sind immer, dem ist nichts hinzuzufügen, was nie stimmt.
T.S.: Ja.
M.T.: , also auch in diesem Fall sage ich jetzt einfach vielen Dank, lieber Tommy.
T.S.: Sehr gerne.
M.T.: Wir werden uns sehr bald wieder sehen. Und beenden heute diesen Blended Art Space. Danke dir.
T.S.: Tschüss. Vielen Dank auch dir, tschüss.
M.T.: Dem ist nichts hinzuzufügen.