Der Klangnomade
Gregor Hübner
„Ich bin überzeugter Improvisator […], weil das Freiheit bedeutet für einen Musiker. Egal in welchem Stil und ich kämpfe dafür, dass die Improvisation zurückkommt in die Klassik. […] Das ist mein Auftrag als Lehrer.“
Martina Taubenberger
Seit Anfang 2011 begleitet Martina Taubenberger als selbstständige Kuratorin, Konzeptentwicklerin und Künstlerische Leiterin Projekte in ganz Deutschland und im europäischen Ausland.
Im „Blended Art Podcast“ präsentiert Martina Taubenberger Künstler:innen und Projekte, die den Kunstbegriff repräsentieren und reflektiert aus dem Blickwinkel der „blended art“ in unterschiedlichen Formaten über Begrifflichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft.
Gregor Hübner
Gregor Hübner ist Komponist, Violinist, Pianist und Professor. Er lebt unter anderem in München und New York, ist in mehreren Städten und Kontinenten beheimatet, genauso wie seine Arbeit, die verschiedene Genres und deren Verbindung umfasst. Hübner stammt aus einer Musikerfamilie und hat mit 15 Jahren entschieden, dass auch er diesem Lebensweg nachgehen möchte. Er spielt in diversen, sehr unterschiedlichen musikalischen Formationen und Ensembles, u.a. das Sirius Quartet und das Munich Composer Collective, auf kleinen und großen Bühnen.
G.H. (Gregor Hübner)
Auf Deutsch?
M.T.
Auf Deutsch.
G.H.
Okay.
M.T.
Genau, ich habe grad Mein Gast heute ist Gregor Hübner.
G.H.
Jawoll.
M.T.
Willkommen im Planet Art Space. Und wir haben nämlich grade zusammen in einen Podcast reingehört und der war auf Englisch. Drum warst Du jetzt kurz…
G.H.
Genau, weil ich entweder Englisch oder Schwäbisch spreche, deswegen wird das Deutsch etwas angeschwäbisch.
M.T.
Ah, das ist okay. Das ist okay. Wir kommen auf das Schwäbische nachher noch zurück. Genau, und der Gregor weiß nichts über diesen blendet art space, wie ich das immer so gerne so mach. Wir sitzen hier in meiner Wohnung im Wohnzimmer am Tisch und trinken Wein und ich habe den Gregor jetzt bisschen überfallen. Ich hab’s, wir haben schon mal mal drüber gesprochen, dass man das mal machen kann, aber jetzt waren wir grad so in the Middle of Something und jetzt haben wir gesagt, jetzt nehmen wir das mal auf. Genau. Es gibt so ganz wenige Grundregeln im Planet Art Basic, das wird nicht geschnitten.
G.H.
Okay.
M.T.
Außer Du sagst was ganz Schlimmes, was wir schneiden müssen, aber das glaube ich nicht. Und es gibt so ein paar Einstiegsfragen. Und die 1. Frage ist immer, wo wir sind. Das hat er halt schon gesagt. Und mit wem ich hier sitze, also wie gesagt, das ist Gregor Hübner, Komponist, Pianist, Violinist, Bandleader, Okay, krieg Ich hab’s vergessen. Alles gut. Und die 2. Frage ist, oder die 3. Dann ja eigentlich, was wir trinken. Ah, was ist Genau, und Du hast was mitgebracht.
G.H.
Ich Ja, wir hatten ein Konzert in einem Holzladen. Das war ein unglaubliches Konzert, weil das war eine große Halle, wo die die Möbel machen, ganz tolle Möbel. Und da haben wir gespielt mit dem Sirius Quartett und dem Strich Quartett letzte Woche. Und der der hat Freund, der diesen Wein macht und von dem kommt der Wein.
M.T.
Ah, okay.
G.H.
Und da, das ist, jetzt musst Du sagen, das ist ein Riesling vom Weingut Seibold und der ist echt gut. Ja. Jetzt stoßen wir noch mal an. Also mir schmeckt der sehr gut. Zum Wohl.
M.T.
Zum Wohl. Auf diesen Abend. Ja, und dann kommt eine sehr schöne Frage, die doch immer sehr viel überraschender beantwortet wird, als man so denkt, nämlich wie wir uns eigentlich kennengelernt haben.
G.H.
Ja, ich habe schon viel von dir gehört, weil ich befreundet bin mit Ralf Schmidt und von dem Werksviertel natürlich. Aber eigentlich haben wir uns kennengelernt über die Angelika Angelika Schindel, die ja für dich die Presse macht und auch für mich ab und zu Presse macht. Und sie hat mir auch von dir erzählt und von dem Werksviertel. Und so kamen wir, glaub ich, dann irgendwann mal zusammen.
M.T.
Genau. Und ich glaub, das eigentlich Witzige war, dass die Angelika dir immer von mir erzählt hat und mir von dir erzählt hat und immer gesagt hat, ihr müsst euch immer irgendwo unbedingt mal treffen und das aus irgend Grund aber lang nicht geklappt hat?
G.H.
Lang nicht geklappt, weil ja gut, ich bin natürlich, das ist mein Ding. Ich leb halb in New York, halb in München, deswegen bin ich immer aufm Sprung irgendwann und wenn ich hier war, dann war ich immer beschäftigt mit der Hochschule. Und da möchte ich wieder nach Hause kommen in New York. Deswegen war’s wahrscheinlich einfach terminlich war’s schwierig. Und dann haben wir’s aber irgendwann geschafft. Das war doch…
M.T.
Genau. Und ich glaub ich glaub, das wirklich allererste Mal war diese Weihnachtsfeier, wo Du…
G.H.
Ah, da warst Du, das war ich.
M.T.
Da war ich, ja. Genau, wo Du mit dem mit diesem…
G.H.
Mit Berta Epp.
M.T.
Epp, dieses Weihnachtsprogramm bei Angelika in Romon gespielt hast.
G.H.
Genau, und das war echt sensationell. Und da war’s dann aber auch so, dass ich früher gehen musste, wegen meiner Kinder wahrscheinlich…
M.T.
Ich werd dich grade mal dran erinnern. Und dann war das so, dass wir uns mal wegen irgendeines Projekts… Und so richtig erinnern kann ich mich an Treffen in dem Werk 1 Café, wo es dann so geklickt hat, wo ich dir von der Festivalidee erzählt hatte und dann schon und ich wusste, ihr sucht irgendwie Probenmöglichkeiten mit dem Unicomposis Collective.
G.H.
Genau. Genau. So war das. So war das. Und dann war der Rest, der Rest des History. Das haben wir ja schon zweimal gespielt in der Non Opening.
M.T.
In der Non Opening. Genau. Genau, jetzt haben wir praktisch schon in 3 Sätzen auch irgendwie so 28 Projekte erwähnt. Ja. Jetzt kommt so eine Preisfrage an die Hörerinnen und Hörer. Über wie viele Projekte haben die denn gerade schon? Also vielleicht dröseln wir’s nur noch mal von vorne auf. Also Du hast schon erwähnt, Du lebst halb in New York und halb in Deutschland. Und wo würdest Du sagen wohnst Du? Also wo ist deine Heimat oder wo gehörst Du…
G.H.
Das ist witzig, weil das hat mich auch erst kürzlich in Interview jemand gefragt. Und die Heimat für mich ist eigentlich da, wo ich mich wohlfühle. Und das gibt verschiedene Heimaten für mich. Also New York ist auf jeden Fall eine Heimat, ich leb seit 30 Jahren dort.
M.T.
Mhm.
G.H.
Ich liebe New York. Ich bin Amerikaner in der Zwischenzeit, habe 2 Kinder und Familie in New York.
M.T.
Jetzt sag nicht, Du hast auch eine Familie in Deutschland.
G.H.
Nein, nein, das nicht. Aber soll’s ja geben, Andy. Aber nein, die Familie ist in New York. Jetzt geht sie auch auseinander, weil sie studieren und so. Aber diese Vielfalt in New York kulturell und so, das lieb ich, das mag ich. Und ich werd New York immer mögen. Ich weiß nicht, als im Alter wurd’s wahrscheinlich schwierig, weil das ist immer schwierig, diese Stadt für ältere Musiker, vor allem im Jazzbereich dann. Aber bis jetzt bin ich immer noch sehr gerne dort. Und dann habe ich natürlich München jetzt seit ich die Professur hab, seit 7 Jahren ist es jetzt. Und…
M.T.
Ach so, Du bist da quasi eigentlich zurückgekommen wegen der Professur.
G.H.
Genau. Ah, okay. Also ich hatte vorher schon eine Gastprofessur, also so, das geht jetzt bestimmt so 12 Jahre oder so, dass ich München wieder hin und zurück irgendwie bin. Mehr sogar 15 fast irgendwie. Aber die richtige Stelle habe ich erst seit 7 Jahren eigentlich. Und dann gibt’s immer noch den Bodensee, wo meine Eltern wohnen und das ist schon auch Heimat natürlich irgendwie. Das ist schön, weil wir als Familie eigentlich immer zusammenkommen im Sommer und an Weihnachten und da treffen sich immer alle. Das ist großes Haus, da passen alle rein. Und das ist auch Heimat, ja.
M.T.
Und zwischendrin, bevor Du jetzt die Professur hier bekommen hast, warst Du aber wirklich ganz in New York.
G.H.
Ich war ganz in New York. Ich war natürlich viel unterwegs als mit verschiedenen Bands. Aber ich habe ganz in New York gelebt, ja. Also ich hatte keine Wohnung hier in Deutschland.
M.T.
Ja. Und jetzt auch ganz mit der Familie rüberzukommen, war kein…
G.H.
Es war immer wieder im Gespräch. Es war immer wieder angedacht.
M.T.
Ist deine Frau Musikerin auch?
G.H.
Nee, meine Frau hat kleinen Spa, einen Boutique Spa in Haus.
M.T.
Ah, stimmt, ja.
G.H.
Und das seit 3, na, wie viel jetzt? 9 Jahren oder so was. Und da wusste ich auch noch nicht, dass ich die Professur hatte vor 9 Jahren. Und dann hat sich das halt auch entwickelt und deswegen war’s dann schwierig. Aber ich jetzt, ich mein, jetzt kommt wieder Punkt, wenn Trump gewählt wird, hat sie schon gesagt, dann ziehen wir alle weg. Aber in Deutschland hat die Europawahl war jetzt auch nicht ganz ermutigend irgendwie. Und meine Frau ist Afroamerikanerin.
M.T.
Mhm.
G.H.
Da gibt’s halt nicht so viel. Also München kann ich mir vorstellen, Stuttgart, Süden, Deutschland ist alles okay, aber dann halt schon in Berlin fängt’s an oder Dresden, Leipzig geht gar nicht. Ist halt schwierig.
M.T.
Mhm. Und dann hat man dieses Problem nicht.
G.H.
Mhm. Also deswegen fühl ich mich da auch so wohl, weil meine Kinder sind natürlich jetzt gemischt, ja. Und da ist halt in jedem Subway Wagen rund verschiedene Länder. Da interessiert sich überhaupt keiner, von woher Du kommst irgendwie. Oder das fragt man auch nicht mehr. Meine Kinder sagen, das darf man auch grade mal fragen. Nee, nee, das darf man auch nicht mehr fragen, ja.
M.T.
Ja, krass. Und hast Du, ist das eine Zerrissenheit für dich Stück weit auch?
G.H.
Manchmal kommt das schon hoch, aber eigentlich, ich bin eigentlich, gut, meine Vorfahren sind auch bisschen romer, deswegen glaube ich, dass dieses Blut bei mir ziemlich, dieses Gehen…
M.T.
Das Reisen.
G.H.
Ist da und deswegen mir macht Reisen schon sehr viel Spaß und vor allem, wenn’s musikalisch ist.
M.T.
Ja.
G.H.
Und ich hab’s noch nie bereut, dass ich das mache. Ich, na gut, wer weiß es, wie’s weitergeht, aber es gibt immer wieder Tiefen und Hören und das ist normal, ich ja habe ich habe nur halbe Professur, das heißt, ich bin abhängig von dem, was ich außerhalb der Professur verdien. Und da geht’s halt auf und ab, aber es war schon vorher so ohne die Professur. Die Professur hilft natürlich. Und jetzt muss man halt gewöhnt sein und dann muss man manchmal, manchmal zweifelt man natürlich.
M.T.
Erzähl mal so ein bisschen über deine Projekte. Du hast mehrere Bands, sehr unterschiedlich.
G.H.
Ich habe sehr unterschiedliche Sachen. Im Jazzbereich habe ich den Rici Bayach, mit dem ich 30 Jahre gespielt hab, was wahrscheinlich jetzt, dem geht’s nicht so gut. Deswegen weiß ich natürlich, dass ob das überhaupt noch mal zurückkommt. Aber mit dem hatte ich vom Duo bis Quintett weltweite Tourneen und vor allem mit Randy Bracker und Billard Heart und George Mars und Quintett mit Richie und Platten und 10 Platten, was weiß ich, irgendwie George, Byrath Hepner Mars waren 3 Platten, wo wir weltweit unterwegs waren. Und also das war auf jeden Fall, ist jemand, mit dem ich auf die Bühne gehen kann, ohne vorher irgendwas auszumachen.
M.T.
Mhm.
G.H.
Und das hat man ganz selten. Und das war großes Projekt von mir. Dann hatte ich immer noch früher, ganz früher hatten wir eine Band, wo ich noch in Deutschland war, die hieß Tango Five. Das war eine Musikcomedy Band. Und die war sehr erfolgreich, muss man sagen. Wir haben wirklich Schlachthof eine Woche gespielt oder im Theater aus Stuttgart 2 Wochen lang…
M.T.
Das stimmt. Auch was, ja.
G.H.
Und oder dann auch in Berlin beim beim Didi Hallafforden im Theater oder was immer irgendwie. Das war richtig. Und die war 20 Jahre lang, diese Band. Da haben wir echt auch gut gehalten, die natürlich. Und dann gibt’s da gibt’s eine Nachfolgeband, das Trio mit meinem Bruder und dem Bobby Fischer. Was auch, das ist einfach diese Nostalgie von früher irgendwie, das macht immer Spaß und ja.
M.T.
Das ist das Bertal.
G.H.
Das Bertal. Genau.
M.T.
Tambo Fayt, wieso hat sich das aufgelöst?
G.H.
Da ging 1 nach Lübeck, der hatte eine Professur in Lübeck dann. Und dann wollten wir keine keine Streitereien haben mit Namen und so. Das hätte kommen, wäre gekommen, wenn das…
M.T.
Mhm. Genau.
G.H.
Es gibt jetzt Tendenzen, das irgendwann mal noch mal aufleben zu lassen als Jubiläum nach 40 Jahren oder ich weiß nicht genau. Aber das weiß ich nicht mehr, ob das ob das stattfindet. Das war schon eine gute Zeit und war was ganz anderes als alles andere, was ich gemacht hab. Also die ganzen Jazzsachen. Und eigentlich habe ich immer Lust, was Neues zu machen. Das ist mein Ding. Ich, ja, ich muss immer was Neues finden. Habe jetzt auch grad ganz was Neues mit 2 Japanern gemacht in Amerika, Im Trio, das ich nächstes Jahr hierher bringe mit Percussion und elektronisches Präparieren, Klavier.
M.T.
Mhm.
G.H.
Die sind ganz toll und Bin da ja. Man wird immer Ich bin da durch viele verschiedene Stile gegangen. Ich habe klassisch Komposition studiert und Jazz und Geige Klassisch und Klavier und…
M.T.
Du hast Geige Klassisch studiert.
G.H.
Zuerst mal, genau, klassisch. Eigentlich habe ich nur Geige Klassisch studiert. Jazz gab’s damals nur für Geige. Und dann ich habe Jazz Klavier studiert. Und ja, in der Zwischenzeit bin ich so weit, dass ich mit den 2 Musikern habe ich schon lang gespielt. Die spielen auch immer bei unserem Festival in München, in New York.
M.T.
Wie heißt das? Das Festival, das wär auch…
G.H.
Nee, nee, ich mein die das Trio, Das…
M.T.
Okay.
G.H.
Das sind unsere Namen. So heißt es. NHT. Nagai, Hübner, Takeshi.
M.T.
Okay, das kann man sich aber schon merken.
G.H.
Und mit den 2 kann ich auch auf die Bühne, ohne dass ich was ausmacht. Und das ist wirklich vergleich das immer, es gab John Coltrane, der von der durch alle Stile durch ist, bis er zum Schluss ankam und spirituell diese Sachen gemacht hat. Und dann gab’s Orndercomer, der sofort frei angefangen hat. Und ich fühl mich eigentlich eher wie der, der so lang braucht, bis er da hinkommt. Aber jetzt habe ich’s Gefühl, dass ich da bin. Und mit den 2 Musikern kann ich da sein. Und das ist wirklich so eine Entwicklung, die ich jetzt auch wollte, die ich euch vorbeigeführt habe.
M.T.
Das heißt, ihr spielt komplett frei eigentlich. Keine komponierte…
G.H.
Kleine Fragmente, aber ganz frei damit umgehen, genau. Sehr interessantes Trio.
M.T.
Ja, da bin ich gespannt.
G.H.
Ja.
M.T.
Da bin ich sehr gespannt. Also weil Du sagst was Neues, jetzt war das Neue. Natürlich, ich habe verschiedene Sachen, das MCC jetzt zum Beispiel, wir ja bei dir Das Milicum Posers wo wir bei dir in Residence sind im Werksforscherin. Das ist mir liegt mir auch sehr am Herzen, eigentlich sehr am Herzen, weil das ist für mich Das war immer Traum, so ein Ensemble zu gründen, Large Ensemble, das nicht unbedingt wie eine Bildband klingt, aber auch nicht wie Ensemble modern, sondern einfach etwas dazwischen, wo man beide Stile oder wo man bei, wo die verschiedenen Stile eingefangen werden können. Und damals, ich, bevor ich die Professur hatte, war mir klar, ich habe lang gewartet. Ich hatte 3 Jahre lang Gastprofessur und habe jedes Jahr gekündigt, weil ich dachte, wann kommt jetzt mein, das Ding irgendwie? Und damals habe ich mir vorgenommen, wenn ich die nicht krieg, die Professur, mach ich das in mehreren mit meinen Freunden. Genau das Gleiche.
M.T.
Das Prinzip?
G.H.
Das Prinzip, genau.
M.T.
Und das Prinzip ist, kannst Du’s noch mal zusammenfassen?
G.H.
Das Prinzip ist eigentlich eine ’n Kollektiv aus Komponisten. Sind nicht alle Komponisten, aber die meisten komponieren, sind meistens ehemalige Studenten von mir. Oder wenn ich jemand hör, der sehr interessant ist, frag ich die auch, ob sie was schreiben. Und gleichzeitig auch die Spieler sind.
M.T.
Ist es im Jazz nicht immer so?
G.H.
Ja, aber die man Also es gibt viele Jazzer, die nicht schreiben.
M.T.
Ah ja. Ich dachte immer, okay. Ach so. Im Studium ja…
G.H.
Müssen aber ja alle schreiben auch.
M.T.
Ja, man kann drum rumkommen, wenn man will.
M.T.
Interessant. Das wusste ich nicht. Ein hervorragender Interpret und auch irgendwo…
G.H.
Das ist auf jeden Fall normaler als in der Klassik.
M.T.
Ja, der Klassik ist es ja äußerst selten, dass also Musiker*innen auch komponieren. Sind oft direkt, aber auch. Aber ja, genau.
G.H.
Und ich wollte einfach Also was das Interessante ist, ist einfach, es ist nicht ein Ensemble, das jetzt einen Band lieber hat, der immer seine Musik spielt.
M.T.
Mhm.
G.H.
Sondern es sind einfach ganz verschiedene Typen. Und die Kompositionen sind alle verschieden und deswegen macht es das so interessant. Für mich und ich glaub, fürs Publikum ist es auch so.
M.T.
Na, ich glaub, ich glaub schon auch die Besetzung, ne. Das ist…
G.H.
Und die Besetzung ist speziell Bisschen wie eine Big Band mit eingebetteten Streichquartett. Genau. Und sehr tiefe tiefe Blazer und 2 Bässe. Das macht das Ganze schon orchestral.
M.T.
Also ich kann dir nur sagen, als wir dieses letzte Non Opening in der Försterkneipe hatten, da war also 1, der kam und gesagt hat, er ist hier eigentlich auf irgend Business Dings auf Tagung und er ging da vorbei und hat gedacht, was ist das denn? Der kam aus Hamburg und ist dann rein und hat gesagt zu mir, er hat so was noch nie gehört. Er ist völlig geflasht. Und auch anderer bei uns ausm Werksviertel, der da die Ginbrennerei hat, der Sebastian Rauscher, der auch immer so sehr interessiert ist, weil er selber auch Kunst gemacht oder früher Kunst gemacht hat. Und der kam auch und hat gesagt, er hat so was überhaupt noch nicht gehört. Also und das ist dann schon manchmal so, dass ich denk, ich habe die Wahrnehmung teilweise schon gar nicht mehr, weil wir ja ständig irgendwie mit neuem Zeug in Konfrontation sind. Aber dass Du dann, wenn Du manchmal vom Publikum so eine Rückmeldung kriegst, so, das hat das war mein Blog. Ich habe so ein Sound überhaupt noch nie gehört.
G.H.
Ja, der Sound ist sehr spitze. Ja. Und ich kam eigentlich auf die Idee von dem Sound durch verschiedene Sachen. Also John Coltrane hatte mal 2 Schlagzeuger und auch 2 Bässe. Das fand ich eigentlich sehr interessante Und dann zum Beispiel das Nationalorchester de Paris. Die haben immer wieder unterschiedliche Besetzungen. Da hat ja der Django Bates auch schon Sachen gemacht. Und da habe ich auch mal so eine ähnliche Besetzung gehört. Und dieses Tiefe, also das heißt Tuba, Bass, Posaune, Bassplanette und E-Bass und Kontrabass, das bringt sonen tiefen Sound, der dann einfach schon orchestral wirkt, wie wenn ganzes die ganze Basssection aus seinem Orchester spielt oder so irgendwie. Und das fand ich total interessant. Für mich ja auch natürlich als Schreiber, als Komponist.
M.T.
Und das sind eher junge Leute, glaub ich auch, die da spielen, aber jetzt keine Studierenden mehr, sondern ehemalige Studierende.
G.H.
Genau.
M.T.
Aber trotzdem ist ja so ein bisschen die Frage, wenn die Leute dann halt auch irgendwo weggehen, sich weiterentwickeln und so weiter, also hat dieses Ensemble, speziell diese Besetzung aufgrund der Personen, die nun mal halt oder wird es denn so sein, wenn da jemand weggeht, dass Du wieder jemanden suchst mit speziell diesem Instrument, weil Du diesen Sound behalten willst?
G.H.
Genau.
M.T.
Ah, okay. Weil das könnte ja auch, das concept könnte ja auch sein, dass Also man kann das ja auch zu, ja, das ist ja immer noch in den Anfängen.
G.H.
Jetzt haben wir Gott sei Dank Förderungen bekommen die letzten 2 Jahre und jetzt grade auch wieder von der Initiative. Das hilft natürlich, weil so eine Bank kann ja fast niemand bezahlen irgendwie.
M.T.
Mhm.
G.H.
Und aber den diesen Sound möchte ich etablieren. Und deswegen wird das auch so bleiben mit der Besetzung. Aber die Idee, dass man mal später irgendwie vielleicht jemand holt wie oder so Projekt macht mit uns, das fand ich auch interessant. Und dann, dass der vielleicht extra Instrument mitbringt oder nur eine andere kleine Besetzung will, das geht dann schon auch irgendwie. Und insgesamt gibt’s auch Pool an Musikern. Das sind jetzt nicht nur die 18 Musiker, sondern das gibt’s eigentlich doppelt so viele Musiker, die das jetzt scharf schon spielen können. Deswegen, da sind ja immer wieder Ausfälle und ich weiß noch, beim ersten Mal ist der Pianist am Tag davor hat Unfall gehabt. Da musst Du Pianist finden, der das schnell lesen kann. Also da kommt immer, ist nur mit der Überraschung. Und diese Zusammenarbeit jetzt bei unserem Festival, da werden ja die auch mit bei euch ein einge Gebettet.
M.T.
Gebettet. Ich wollte das grad nicht gar nicht so sagen, weil die kann man eigentlich gar nicht einbetten. Die sind ja eigentlich eher Das muss man mal gucken, wie man das macht. Genau, aber das wird ja dann schon auch spannend vorbei sein.
G.H.
Sehr drauf, ja, weil das ist auch noch mal ganz anderer Sound dann. Ich habe da schon viele Sachen auf der Chor geschrieben und so. Aber das ist schon speziell, weil die ja frei improvisieren auch und eher Klangkörper sind als Chor.
M.T.
Ich wollt grad sagen, Du darfst nie Chor zu denen Genau. Das mögen die gar nicht. Also dann Vocalensemble. Ist okay. Klangkörper.
G.H.
Klangkörper, ja. Beziehungsweise auch so ein Organismus fast, so ein Langorganismus.
M.T.
Ja, da bin ich sehr gespannt. Also ich mag das ja so total gern, unterschiedliche Musiker, Ensembles zusammenzubringen und dann einfach, wenn ich weiß, das passt menschlich, dann weiß ich, dass das immer musikalisch auf irgendeine Art reagiert, die immer spannend ist. Das habe ich schon, das weiß ich, dass das funktioniert.
G.H.
Das war doch richtig. Ich hatte ja auch mit ihr schon Gespräch und hatte sofort auch das Gefühl, dass es funktioniert. Und das war’s meistens vorher. Es gab auch schon andere Sachen.
M.T.
Absolut, da geborene ich dir recht. Und dann, da mal noch mal den Bogen irgendwie zu schließen, hast Du ja das Sirius Quartett noch.
G.H.
Das Sirius Quartett ist eigentlich das Konstanteste Ensemble. Aber Sirius nicht wie in Serious Ernst. Sondern widerstand.
M.T.
Widerstand, wobei ich das trotzdem einen so genialen Namen finde, weil man immer sich fragt, ist es wie ist es gemeint? Ja, ja. Ich find das total cool.
G.H.
Das Sirius Quartett ist, ja, also es wurde immer mehr, sagen wir mal so, ein Bestandteil von mir. Und jetzt hatten wir grade in Joes Pub in New York, was ein, weiß nicht, ob Du’s kennst, Joes Pub und Public Theor ist eigentlich…
M.T.
Vom Namen auch, ich war ja noch nie in New York. Die die Location. Ich war noch nie. Ich habe gesehen. Es ist bewusst, enorm. Aber wenn dann, dann komm ich aber zu euch.
G.H.
Und wir haben grad ins im Joe’s Pub, das ist der legendäre Klub, wo auch ganz berühmte Leute und John Bass und solche Leute sind, da haben wir angefangen. Und wir hatten unser dreißigjähriges Jubiläum. Das heißt nicht, dass ich schon 30 Jahre dabei bin, sondern dieses Quartett gibt es seit 30 Jahren. Und das war ursprünglich in der Downtownsing. Aus der Downtownsing kam das aus der freien Improvisation mit John Zorn, Anton Sherapp, Philipp Glass und Steve Reich und so. Die haben dieses Quartett benutzt, ihre Musik mit zu improvisieren. Und vor 20 Jahren hat mich dann 1 vom Quartett gefragt, weil da jemand ausgestiegen, ob ich einsteige. Und dann…
M.T.
Das hieß damals auch schon.
G.H.
Das hieß damals auch schon.
M.T.
Ach, das ist gar nicht von dir gegründet.
G.H.
Nee.
M.T.
Das wusst ich nicht.
G.H.
Nee. Ah, ist ja frustrierend. Aber ich bin jetzt der Einzige, der Älteste in dem Der noch, Genau. Und die 2 anderen Kollegen, die sind vor 15 Jahren dazugekommen. Und dann jetzt haben wir ganz neuen Berater seit 2 Jahren, genau. Und in diesem ganzen dreißigjährigen Jubiläum gab’s dann so Pressemeldungen. Und da gab’s dann eine und dann stand drin, wo ich in das Quartett kam, hat sich das Quartett geändert, weil ich für das Quartett geschrieben hab.
M.T.
Ah. Ja.
G.H.
Und in der Zwischenzeit ist es komplett selbstschreibendes Quartett. Alle Quartettmitglieder schreiben. Und wir spielen nur unsere eigene Musik.
M.T.
Ihr spielt auch kein Glas und Reich…
G.H.
Nur, wenn wir dafür engagiert werden, wenn wir bezahlt werden dafür. Aber wenn wir unser eigenes Konzert machen, ist es nur unsere eigene Musik. Genau.
M.T.
Und ich hätte euch fast mal engagiert. Ja, das müssen wir noch ändern. Das müssen wir mit dem Stück von dem Manuel Witzhum und dem Dust. Also es ist so, also dass wir jetzt, also jetzt haben wir ja schon zusammengearbeitet. Aber das ist ja wirklich so, wir waren ja schon so oft so nah.
G.H.
Ja, das stimmt. Aber gut, Covid hat natürlich einiges.
M.T.
Ja, Covid hat einiges, stimmt, das war, genau. Gut gemacht.
G.H.
Also wir spielen schon andere Stücke von anderen. Wir sind auch eine von der Plattenfirma tätig, die dauernd neue Stücke aufnimmt. Aber das sind dann Jobs einfach, die für die wir bezahlt wurden. Und wir machen das auch gern, wenn uns, gut, wenn uns das Stück natürlich liegt oder so. Aber wenn wir eigene Konzerte ausmachen und unsere Konzertturnieren sind nur mit unseren eigenen Stücken. Und das habe ich scheinbar pressingmäßig geändert in diesem Quartett, wo ich rein kann. Für mich als Komponist war natürlich ideal, Quartett zu haben, wo ich alles ausprobieren konnte irgendwie. Und das seit 20 Jahren. Ich habe jetzt 7 Streichquartett geschrieben, jetzt bin ich 20 Jahren. Und …
M.T.
Und wo verortet ihr euch mehr? Also ich mein, Musikbereich find das ja sehr schade drum, mein heißt ja, weil ich über diese Disziplinen eigentlich gar nicht mehr Wir haben dauernd Diskussionen. Ne. Ihr habt das, glaub in welchen Sektionen ihr rezensiert werdet und ne, welche Redaktion das…
G.H.
Einmal habe ich Trick gemacht. Wir haben, das möchte ich aber nicht mehr machen, weil es einfach eigentlich Lügerei ist irgendwie. Wir haben Leget Streichquartett eingeprobt, 2. Streichquartett. Das war 1 der schwersten Stücke, das wir hier gespielt haben. Nur, damit wir in die neue Musik reinkommen. Und dann haben wir hinterher und vorher improvisiert und die Leute wussten gar nicht, wann der Legeti anfängt und fanden’s alle ganz super. Müssen dann in so ein paar Musik, neue Musik reinkommen und aber dann haben wir festgestellt, eigentlich wollen wir das ja gar nicht, diese Legeti spielen, sondern wir wollen unser eigenes Zeug Und diese Diskussion gibt’s seit Langem. Und wir sind halt einfach zwischendrin. Wir sind zwischendrin. Man kann sagen, zwischen Chronos Quartett und Turtel Island Street Quartett, das sind der eine ist, das ist neue Musik und der andere ist der Jazz.
M.T.
Mhm.
G.H.
Und wir sind genau zwischendrin.
M.T.
Spannend, aber es ist bestimmt dann auch oft nicht so einfach, oder?
G.H.
Verkaufsmäßig ist es schwer, ne?
M.T.
Ja, weil das ist ja, das kenn ich rauf und runter. Aber wenn die Leute da sind, dann funktioniert’s. Wir bekommen die immer. Aber das dahin zu kommen, ’n Veranstalter zu überzeugen, dass das da hin muss, das ist schwierig. Oh, ich habe ja eigentlich so ein Traum in der Flüsterkneipe. Ich würd ja total gern eben genau so was machen, so veranstaltungsreihen. Überlegen, wann veröffentlichen wir jetzt den Podcast, weil wenn man Ideen verrät, sind sie immer schnell weg. Aber ich wollte eigentlich so eine Reihe machen, die heißt dann Come to my chamber, tall me your story, sing me your song und wo es dann wirklich überhaupt gar nicht irgend ’n Genre geht, sondern einfach darum, dass man Kammermusikalisch ist ja kein Genre. Das ist ja eigentlich nur Ausdruck für, ich sag jetzt mal blöd, eine Raumgröße in…
G.H.
Die Besetzung. Eine Besetzung, also eine Besetzung,
M.T.
Sagt ja noch nicht mal was aus über die Besetzung als solche, aber halt Musik, die in kleinen Räumen funktioniert. Mehr sagt es ja eigentlich nicht. Finde ich eigentlich schon schön. Und ihr habt ja das, macht das ja, ne? Das Festival hat ja genau dieses Konzept.
G.H.
Das war vor paar, jetzt ist es, glaub ich, das 8. Oder das 9. Jahr in New York. Auf Tournee in, glaub in China war das, kam uns die Idee, dass man einfach für die Freunde von uns, die im selben Boot sitzen, in zwischen allen Stühlen irgendwie, so eine Art Podium bilden in New York. Ich mein, das ist klein, das ist, wie gesagt, Chemomusik irgendwie. Aber letztes Jahr war’s jetzt so, dass es ausverkauft war. Das war super. Es waren Plätze irgendwie und tolle Leute gehabt, Theo Blackman. Weiß nicht, ob man den hier kennt, aber den Sänger und Uri Kaine und solche Leute, die waren alle schon da. Und hier in München haben wir’s dann seit 5 Jahren gemacht. Das ist dann eher, also weil’s halt finanziell schwierig ist, die Münchner Szene, in New York ist die New York 10, die sind dann bissel größer. Und das rüberzubringen, ist Es ist der Plan, schon, aber dazu braucht man halt dann, da muss man erst mal wieder vorankommen. Man könnte tolle Sachen machen.
M.T.
Ja, ja, grad, das wär natürlich Krass. Das wär natürlich super. Aber dazu muss man muss man einfach… Und das bin ich das bin ich halt nicht. Das ist mein Problem, weil also ich mein, ich kann das nicht machen, diese Anträge. Ich hab’s schon auch gemacht, aber das frisst so viel Zeit von meiner Kreativität, dass es dass ich da einfach mal sagen musste, ich, mehr kann ich nicht machen irgendwie und ich will eigentlich Stücke schreiben und ich will eigentlich, ja. Deswegen hatte ich jetzt, vielleicht können wir da auch noch mal drüber reden über das Sabbatical, das ich jetzt hatte, was ganz toll war Und wo ich wirklich Sachen machen konnte, wo ich endlich mal wollte. In Venedig.
M.T.
In Venedig oder in Senegal auch.
G.H.
In Senegal warst Du auch.
M.T.
Das hast Du dir aber selber organisiert.
G.H.
Ich habe mir alles selber organisiert. Das war jetzt kein Stipendium.
M.T.
Nee, ich hab’s auch, ja, in Venedig hab’s auch zweimal probiert und dachte, ach, jetzt mach ich selber irgendwie. Also das heißt, Du hast einfach für dich entschieden, ich brauch jetzt Zeitraum x. Was war, wie viel hast Du dir genommen?
G.H.
Ein Jahr.
M.T.
Ein Jahr? Ah, das war ein Jahr?
G.H.
Im Herbst muss ich wieder anfangen. Ich bin immer noch im Sabbatical.
M.T.
Ach, okay. Und Du hast dich von der Uni von der Uni beurlauben lassen?
G.H.
Ja, ich das war auch kompliziert. Ich musste dann so 3 Jahre vorher Drittel mehr arbeiten, was ich gemacht hab. Und dann darf durfte ich jetzt Jahr Pause machen, genau.
M.T.
Okay. Und da hast Du dir so Kompositionsaufenthalte, so selber habe eingeschenkt.
G.H.
Diese Senegal war eigentlich eher Research für mich. Da war jetzt gar nicht geplant, dass ich was schreib, obwohl das schon passiert ist. Ich habe was geschrieben.
M.T.
Kannst das doch gar nicht verhindern.
G.H.
Klar, aber das war eher für mich mit der Rhythmik mich beschäftigen, Unterricht nehmen, das neue neues Instrument, einfach mal zu sehen, wie das funktioniert. Und in diese Szene mal einfach einzutauchen.
M.T.
Und warum Senegal?
G.H.
Ich wollte eigentlich Mali.
M.T.
Oh.
G.H.
Aber Mali ist halt politisch schwierig und die Instrumente sind aber die gleichen.
M.T.
Und wieso Mali?
G.H.
Ja, denn dieses Instrument das Instrumentarium grad in der Percussion und auch diesem Chore kommen halt aus dieser Gegend. Und die sind sehr musikalisch, kann man sagen, prägend, ja, für viele Musiker. Haus und Dur zum Beispiel, Senegalese, das war für mich großer Musiker. Und dann war eigentlich noch Kameradrohne geplant, halt auch schwierig politisch. Da habe ich Freund in Paris, der aus Kamerun kommt. Und der hat mir halt gesagt, in Kamerun brauch ich eigentlich jemand, der dich betreut die ganze Zeit. Das kann ich halt bezahlen. Und so kam ich dann auf Senegal und da hatte ich dann auch Glück mit der Wohnung und alles. Das hat alles gut funktioniert.
M.T.
Und wie hast Du das gemacht? Also Du hast das dann selber organisiert oder hast Du da vor Ort schon mal Kontakte?
G.H.
Ja, ja, ich hatte eine Gitarrist mit seiner Frau, die is Deutsche und die vermieten eine Wohnung in Dakar, Zimmer in ihrem Haus. Und das habe ich geplant und den Rest habe ich gleich in der ersten Woche habe ich Jusundur kennengelernt und dann…
M.T.
Nein.
G.H.
Aber bin so, wenn ich irgendwo hingehe, dann geh ich. Ich habe dann gleich eine Telefonnummer von Lehrer gehabt, Freund aus Paris habe ich mir gegeben, der weltweit eigentlich, der der, wenn man dann hinstellt, das ist, den will ich nächstes Jahr holen irgendwie. Und mit dem habe ich dann gespielt und bei dem hatte ich, seinem Bruder hatte ich dann Unterricht. Der Bruder war der Lehrer und er war der Star eigentlich. Und aber mitm Star habe ich gespielt und beim Bruder hatte ich Unterricht. Es war schon, war schon super irgendwie.
M.T.
Weißt Du, was ich mir manchmal denk, wie megagenial das wär, wenn man wenn so Kultureinrichtungen in Deutschland so geleitet würden? Also stell dir mal vor, so ein Konzerthaus und da hätte man nicht irgendwie einen Leiter, sondern man würde einfach so ein Kuratorium zusammenstellen aus lauter Leuten, die halt irgendwie, jeder bringt Netzwerke von sonst wie womit. Das wär irgendwie, das könnt so fliegen.
G.H.
Das könnte fliegen, ne. Wunsch ans Universum. Okay, also das was singen kann. Ich kann mir auch vorstellen, dass es in der Zukunft mal so, dass ich so was auch mache. Genau. Weil ich ja eigentlich, ich habe wahnsinnig viele verschiedene Sachen gemacht und habe eigentlich nie, ja, weil ich so viele verschiedene Sachen habe ich gemacht, war ich halt auch nicht so richtig vermarktbar, weil ich immer was Neues machen wollte. Aber ich bereu gar nichts irgendwie, sondern das ist gut. Und aber deswegen habe ich natürlich so viel selber gemacht eigentlich, auch vom Business, auf der Businessseite.
M.T.
Mhm. Ich find aber trotzdem, weil ich habe so ein Problem, was ich oft so im Jazzbereich hab, ist, dass es ganz viel so Formationen gibt, die nie lang Bestand haben. Also grade in jetzt in so lokalen Szenen, in der Münchner Szene fällt mir das halt ganz stark auf, dass immer man eigentlich dieselben Musiker immer wieder in neuen Kombinationen dann in der Unterfahrt zum Beispiel sieht. Da sind immer dann dieselben Leute anders zusammengewürfelt. Und irgendwie, ehrlich gesagt, klingt auch alles irgendwie gleich. Und wenn Du Projekt mal buchen willst, gibt’s das schon nicht mehr, weil sich das schon wieder neu zusammengewürfelt hat. Und ich glaub so, bei dir ist es so, dass Du schon so…
G.H.
Ich habe mich schon, ne, dass ich meine es nicht, dass ich jeden Tag was Neues…
M.T.
Genau, also Du hast so diese Ensembles, die Du sehr, auf die Du sich sehr fokussierst, aber auch das Material…
G.H.
Aber mir macht halt einfach beides Spaß. Ja. Und mit meinen alten Kumpels, mit meinem Bruder und meinem ältesten Freund irgendwie mit denen zu spielen, ist immer, wie wenn man atmet irgendwie. Das funktioniert einfach. Und dann macht’s auch noch Spaß, weil das ist immer mit Comedy noch verbunden und wir machen Witze und das macht einfach Spaß. Sirius Quartett ist was ganz anderes. Heißt ja auch Sirius Ja. Später noch mal drauf zurückkommen auf das Thema mit der mit der Comedy. Aber jetzt bleiben wir noch mal ganz kurz bei deinem Sabbatical. Also Du warst in Senegal und dann bist Du nach Venedig oder wo…
G.H.
Ja, da musste grade noch paar Sachen inzwischen, so kleinere Sachen. Ich wollte immer nach Ljubljana, weil da Geigenbauer ist, der der eine spezielle Geige für mich gebaut hat. Und die musste ich endlich mal wieder zum Reparieren bringen, weil’s ja da hat, aber elektronisch nicht funktioniert. Und da war ich auch noch nie in Ljubljana, das fand ich auch sehr schön zum Beispiel. Und dann meine Tochter war in Paris, da war ich dann auch noch. Und dann im Februar, März war ich dann in Venedig, genau. Und das war für ganz spezielles Projekt. Und zwar begeistert mich Caravaggio seit Jahren und habe mir immer überlegt, wie man diese farblichen Effekte, das Dunkle und die Schatten und den Hintergrund die Bewegung im Bild betonen kann, ja. Und es geht ein Bild, das hängt in Neapel. Und da machen wir schon ganz lange Gedanken drüber und das wollt ich für großes Orchester und Lichtdesign in der Partitur sozusagen schreiben. Dann…
M.T.
Ja, wieso bist Du jetzt noch nach Neapel gehen müssen, wenn das Bild in Neapel hängt?
G.H.
Ja, das ich das Bild habe ich schon so oft gesehen, aber das Venedig war immer für mich, das hat eine andere Komponente. Natürlich gibt in Venedig gibt’s keinen in Mailand und in Neapel und so. Aber ich habe mich einfach mit dem schon so viel beschäftigt, dass ich jetzt davor das Bild hinstellen muss und das Bild mir dir angucken muss. Ich habe das natürlich auf Bildern und so und habe mir schon, wie gesagt, lange Gedanken drüber gemacht. Und wollt einfach mal 2 Monate Zeit haben, das zu schreiben. Das ist jetzt noch nicht ganz fertig geworden, aber das ist schon sehr weit. Und ich bin ja son, der das Ganze von Hand schreibt, weil ich dadran glaub, dass das irgendwie anders rüberkommt, wie wenn ich’s gleich im Computer immer anhören kann.
M.T.
Und Du komponierst am Klavier?
G.H.
Ich versuch ohne Instrument, aber ich geh dann schon ans Klavier, wenn was wenn ich was nicht… Okay. Höher.
M.T.
Das heißt, Du hast jetzt da, wo Du überall warst, auch nicht immer unbedingt Klavier gehabt?
G.H.
In Venedig hatte ich Klavier.
M.T.
Okay.
G.H.
Ja, in Venedig hatte ich Klavier. Da habe ich dran gearbeitet und ich glaub, das wird Und das war auch das 1. Mal, wo ich jetzt mal seit Langem, dass ich einfach mal Stück schreiben wollte, ohne den Auftrag zu haben, das irgendwann abzugeben. Aber es gibt schon Interesse an dem Stück und ich Das wird bestimmt irgendwann aufgeführt und…
M.T.
Und warum Venedig?
G.H.
Ja, Venedig war immer für mich, seit ich Franz Werfer Roman der Oper gelesen hab, war das für mich so eine Stadt, wo man als Komponist inspiriert wird und das ist wirklich so.
M.T.
Ich find das eine total interessante Überlegung, wo Also bei mir geht es ja grad nicht die Kinder so zu klein, aber so die Überlegung, wenn man so ein Sabbatical, wo würde man dann da hingehen, zu arbeiten? Also was sind inspirierende Orte auch, ne? Letztlich geht’s ja auch darum…
G.H.
Zum Beispiel die in Venedig ist das so, dass diese Straßenbeleuchtung, die ist ja sehr duster.
M.T.
Ja. Ja.
G.H.
Also ähnlich wie in den Bildern von Caravaccio.
M.T.
Ja. Du hast dich quasi in ein Bild gesetzt.
G.H.
Ja, genau. Ja. Und dann geht dann kommt noch dazu, dass ich selber wahnsinnig gern zeichne und kaum Zeit habe und ein Bild im Jahr macht. Und in dieser Zeit habe ich auch noch 2 große Bilder gemalt. Ah, mich mit der mit der mit diesem Hintergrund, Vordergrund solche Sachen zu beschäftigen, habe ich gleichzeitig abends immer noch gezeichnet. Und das war super natürlich. Normalerweise habe ich nie Zeit dazu.
M.T.
Ich habe neulich so was gehört, wie wichtig für den Energiehaushalt, also es war auch so eine so ein Amerikaner, ist. Und ich habe dann im ersten Moment dachte ich so, ja, jetzt brauchst Du doch mir nicht sagen irgendwie so. Mein Job ist ja divers genug und wir sind ja ständig mit Kreativität von Kreativität umgeben. Und dann ist mir jetzt aber auch noch mal klagen worden, dass es, glaube ich, gerade für uns in den künstlerisch kreativen Berufen so wichtig ist, dass man auch so was dann auch weiterverfolgt, ne. Also nicht nur, dass diese eine künstlerische Disziplin die die Hauptdisziplin ist in Anführungszeichen, sondern halt genau wie jeder andere auch… Ja. Sich da so ein paar…
G.H.
Also ich glaub, man muss man der solchen Hobbys erlaubt. Manchmal Man muss Sachen finden, wo man sich verliert. Weil sonst ist man ja nur so irgendwie. Und das ist für mich bestimmte Sportsachen, aber das müssen extreme Sachen sein, weil sonst denk ich über alles nach.
M.T.
Mhm.
G.H.
Es muss so extrem anstrengend sein, dass ich gar keine Zeit…
M.T.
Was Du da?
G.H.
Ich habe lange Bigram Yoga gemacht, wo man irgendwie so…
M.T.
Bei wie viel Grad?
G.H.
50 Grad, 40 Grad irgendwie.
M.T.
Wow.
G.H.
40 Grad, glaub ich. Und das hat so angestrengt, dass man gar keine Zeit hat über irgendwas anderes nachzudenken, wie wenn man dann, dass man den Fuß hochbekommt irgendwie. Oder halt das Zeigen ist auch so, da kann ich mich verlieren einfach. Da verlier ich mich dann. Und da kann ich einfach Das ist wie Meditation für mich. Meditation an sich ist schwierig für mich irgendwie. Einfach hinsetzen und meditieren, das ist schwer für mich. Aber das ist für mich, wenn ich zeichne oder auch wenn ich übe, was ja auch schwierig ist mit Zeitmanagement irgendwie. Also ich bin froh, wenn ich zum Üben komm. Das sind dann für mich die Zeiten, wo ich meditier, ne, oder wo ich das mit meditiere.
M.T.
Und man ist so und flow, so und diese flow, ne, wo man halt dann… Genau. Aha, interessant. Und welche Bedeutung haben diese anderen Umgebungen? Hättest Du dieses Sabbatical zu Hause machen jetzt nicht können?
G.H.
Nee. Nee, ich musste da wo wohin. Also ich mein, Senegal war klar, weil ich die Kultur studieren wollte. Und Venedig war halt immer so ein Wunsch. Ich weiß noch genau, das 1. Mal, wo ich in Venedig war mit Freundin, die Gitarre gespielt hab, wir haben Paganini auf der Straße gespielt. Der hat das dort komponiert für Gitarre und Geige. Dann kam der Bürgermeister von der Venedig, hat uns eine Karte gegeben, ob wir bei ihnen mit der Privatparty spielen abends. Das war das beste Restaurant von ganz Venedig, was damals was es gekostet Wir haben bissel Geld verdient und konnten super essen. Das war das 1. Mal Venedig. Dann sind wir verhaftet worden, waren mit dem Dosenpalast im Gefängnis ganzen Tag, ja, wo wir Straße gespielt haben. Und dann war ich öfters, ich war immer wieder in Venedig mit. Also das letzte Mal waren wir in der Familie und dann war wir, meine Tochter wollte unbedingt Gondel fahren. Und dann hat der Gondoliere, Leerhof hat angefangen. Hier hat Wagner gewohnt. Mozart war hier mal. Strawinski ist hier und der starb beerdigt. Und dann dacht ich, ich möcht hier auch mal wohnen. Genau, irgendwann heißt’s dann und hier hat Gregor Hübner genannt. Ja, ja, ja. Okay. Genau und da ja, ich bewerb mich jetzt auch noch mal. Da gibt’s ein Studienzentrum, deutsches Studienzentrum, da werbe ich mich noch mal für dreimonatigen Aufenthalt. Die haben’s auch sehr schön dort, die haben schöne Wohnungen und halt auch Instrument und alles da irgendwie. Aber ich mit Bewerbungen, wie gesagt, ich mach, ja, ich heiß dieses Papier, das Papierzeug.
M.T.
Na ja, nein. Aber das ist ja dein Job die ganze Zeit. Du machst das ja ganz viel.
G.H.
Ja, aber leider, leider auch. Eher leider. Ja. Es ist nicht so, dass ich das gern mach. Also was ich schon gern mach, ist so Konzepte schreiben. Also dieses dieser Prozess, dass man ewig was entwickelt. Und es ist dann auch so, dass viele Leute dann ja zu mir sagen, schick mir mal was Schriftliches. Und der Moment muss aber kommen, wo ich weiß, jetzt kann ich’s aufschreiben. Und das mag ich dann schon, wenn ich mich dann hinsetze und dann schreib ich das runter. Aber was ich echt auch selber wirklich nicht mag, ist dann diese Konzepte, von denen ich einfach selber weiß, sie sind gut, dann wie Sauerbier in irgendwelchen Förderprogrammen anzubieten. Und dann habe ich jetzt grad auch wieder die Situation gehabt hier mit der städtischen Förderung, wo Du dann passt es in keins von diesen bescheuerten Schubladen, ja. Das ist ja, also wenn man nicht nur interdisziplinär arbeitet, sondern wirklich auf eine Art und Weise, wo Du nicht mehr sagen kannst, ist das Musiktheater oder Musik oder ist das bildende Kunst oder ist es Performance oder ist es Jazz oder Klassik oder experimentell oder was ist es eigentlich? Die kriegst Du nirgends richtig platziert. Also es ist schon…
M.T.
Oh, das kann sich, das muss sich ändern, weil das kann das überlebt so nicht. Das glaube ich wirklich. Also weil das Publikum auch wegstirbt an…
G.H.
Ja. Also ich mein, ich arbeite ja da ewig schon an. Ja, ja. Was ich was als Lehrer, ich bin überzeugt der Improvisator. Ich bin überzeugter Improvisator. Und weil das Freiheit bedeutet von Musiker.
M.T.
Mhm.
G.H.
Egal in welchem Stil. Und ich bin ich kämpfe dafür, dass die Improvisation zurückkommt in die Klassik, weil die die hat so immer verloren.
M.T.
Klar, ja. Ja.
G.H.
Und das ist mein Auftrag, sehe ich als Lehrer.
M.T.
Und wo bist Du, wo unterrichtest Du, unterrichtest Du in Komposition?
G.H.
Ja, ich unterrichte in der Hochschule, in der Jazzabteilung, in der Komposition. Aber ich habe schon, wo ich angefangen habe als Gastdozent oder Gastprofessor, einfach diese Grenzen geöffnet zwischen Klassik und Jazz. Und ich habe Bei mir studiert man Komposition, aber Komposition stilübergreifend. Also das heißt, man muss die geht, Beethoven, alles analysieren und dann aber auch und John Coltrane. Es ist, bei mir gibt’s nur Musik und nicht irgendwie diese Stimme. Aber die Studierenden, die zu dir geschickt werden, das sind…
M.T.
Geschickt worden ist gut, die wissen schon was. Also die meisten, die jetzt haben wir jetzt mit Aufnahmeprüfung, die meisten wissen, dass sie zu mir wollen.
G.H.
Mhm.
M.T.
Also die kennen mich, bevor sie kommen. Also Du glaubst, da wächst eine Generation nach, wo sich das auflöst grad.
G.H.
Und das ist MTC für mich. Ja. Genau. Das muss sich auflösen. Und das seh ich auch, also grad meine Studenten, die anderen, die 2 Neider Gustavo und Felix Weber, die haben das Paranormous Spielquartett. Ich weiß nicht, ob ich schon von…
M.T.
Ja, klar. Ja.
G.H.
Es ist ja eigentlich so Sirius in Jung jetzt. Ja, genau. Ja. Und machen ganz tolles Projekt irgendwie und sind auch zwischendrin zwischen allen Stühlen.
M.T.
Aber das ist doch trotzdem immer noch die Ausnahme von der…
G.H.
Es ist immer noch die Ausnahme, aber es wird immer mehr. Es gab, wo ich nach New York kam, gab’s irgendwie 3 bekannte Jazzgeiger. Jetzt gibt’s an scroll oft Music 100 Streicher, die Jazz studiert. Also das ändert sich schon. Die klassischen Lehrer müssen umdenken.
M.T.
Ja.
G.H.
Machen sie auch. Die Jungen machen das.
M.T.
Ja, man merkt ja auch, es gibt ja jetzt auch die das zum Beispiel, mit dem wir arbeiten, ja. Das sind ja, ich habe mich da auch mit den Musikern unterhalten. Es gibt ja immer noch so, sag ich mal, von den von der alten Denke her ist es ja irgendwie so eine Abstufung, ne. Und der Musiker, der frei arbeitet, der hat’s halt nicht ins Orchester geschafft und das ist ja nicht mehr so, sondern die Leute, die in diesen freien Orchestern oder freien Projekten oder in Kammermusik Ensembles sind das sind ja bewusste Entscheidungen. Die wollen frei arbeiten. Und das ist bei den o-modernen Leuten nämlich auch, wenn man die fragt, das ist sind ganz bewusst entscheiden die sich für diesen Weg.
G.H.
Ja, und früher hat man sich geschämt, dass man das macht.
M.T.
Ja.
G.H.
Und das ist nimmer so.
M.T.
Ja. Das ist gut. Ich mein, ich habe auch, mein erster Job war immer. Ich habe das gewusst, dass ich nur als Späne spielen kann. Wenn ich da irgendwie regelmäßig spiel, das würde mich töten. Ich habe dreimal, ich hab, habe ich gespielt, ich glaub dreimal. Dann habe ich Phantom of the Opera, das habe ich auch dreimal gespielt und dann Beauty and the Beast. Und wenn ich das wollte, da hätte ich mich gekillt, glaub ich. Mehr als dreimal ging nie.
M.T.
Das denk ich mir ganz oft. Aber frustriert dich das nicht, dass also klar, es verändert sich was, aber es verändert sich ja von den Strukturen her nicht in dem Tempo, wie sich eigentlich die Szene verändert. Frustriert dich das nicht? Also…
G.H.
Natürlich. Wie Ja, klar.
M.T.
Wie gesagt Auch wenn Du das beschreibst, ne, dass…
G.H.
Gerade im Moment ist es auch sehr, hängt das wieder, komischerweise. Das hat nach Covid, also 2 Jahre nach, es ist 22 war irgendwie ging’s wieder, hat’s Zug bekommen, 23 war auch. Gut, ich mein, vielleicht liegt’s ja auch im Sabbatical, das ich jetzt gemacht hab, weil ich jetzt lang weg war oder so, aber ich habe echt das Gefühl, kein Veranstalter meldet sich zurück irgendwie. Das ist schwierig, aber zu buchen. Ja, dass die Kultur Also gut, das liegt an der ganzen Weltlage, politisch und alles Mögliche kommt da zusammen irgendwie. Und alle sind irgendwie frustriert. Aber ja, schon auf und ab. Ich glaub aber schon, es dauert länger, als die Szene…
M.T.
Das glaub ich. Ja, habe ich habe grad heut Vortrag über Transformation gehalten, nämlich im Zusammenhang mit dem Konzerthaus und Kulturbauten und so weiter. Und ich glaub halt, es gibt schon so diese Tendenz, sich eher wegzuducken. Also je mehr man irgendwie das Gefühl hat oder je mehr das institutionelle Denken spürt, da bewegt sich was, desto mehr beschützt man irgendwie oder so fühlt sich das für mich grad so an, als versucht man da was festzuhalten, weil man spürt, es lässt sich eigentlich nicht mehr halten. Aber ich glaube halt auch, dass ich grade in diesem klassischen Bereich, also von der Musik besprechen, also hauptsächlich in der Musik find ich’s ganz extrem, so viel so ein Qualitätsversprechen sich verbindet mit diesen großen Institutionen und mit diesen mit diesen Traditionen auch, in die auch eigentlich in den Strukturen hängen und nicht in im Künstlerischen. Und dass, wenn das wegbricht, die Angst da ist, dass dann die Qualität nachlässt. Also dass, wenn die Dinge freireich irgendwie so, da habe ich manchmal so das Gefühl, man hat man kann es nicht mehr so gut begründen. Also man kann das gesamt die Bedeutung der Relevanz nicht mehr so gut begründen und dann flüchtet man sich in diese diffizilsten Qualitätsdiskussionen und Interpretationsdiskussionen. Also auf welchem Niveau da über Akustik und über Interpretation diskutiert wird, das ist ja schon fast skurril teilweise, finde ich, vor dem Hintergrund, wie viel sich gesamtgesellschaftlich eigentlich verändert. Für mich ist das wie so eine Art Flucht auf dem Terrain, auf dem man nicht angreifbar wo…
G.H.
wo bleiben wir mal rum in Stein, da mit oder Mädels oder solche Leute, das gibt’s gar nicht mehr.
M.T.
Mhm.
G.H.
Die Jungen spielen technisch wahrscheinlich besser, ja? Aber diese charismatischen Personen gibt’s nicht mehr. Und da weiß ich auch nicht, an was das genau liegt, aber diese ganze Struktur von Wettbewerben und in der Klassik speziell macht die Musik kaputt, glaub ich.
M.T.
Mhm. Ich sag ja, das ist dieses Perfektionsversprechen.
G.H.
Ja, genau, das da deswegen kam ich zu kaufen. Und aber das kann sich ja auch wieder ändern. Ich weiß es nicht irgendwie. Ich mein, wir haben jetzt Bratsche, der ist 25 im. Ich mein, ich habe noch nie so jemand getroffen. Der ist 25, der kennt jedes Buch, der kennt jeden Film, der kennt jedes jede Aufnahme von irgendwie. Der ist so ein typischer Nerd, der als in der Schule schon alles gelesen hat und im Internet natürlich sich komplett auskennt und jede Aufnahme kennt. Komm, das ist so eine KI. Das ist eine KI, der immer so ähnlich, ja. Der Haut, das find ich wahnsinnig.
M.T.
Aber kann der das kann er’s auch weiter, kann er’s verarbeiten? Also ich mein, das nur…
G.H.
Das weiß ich nicht, genau. Das ist das Ding. Gut, ich mein, in der Improvisation ist schon, man mag das schon virtuos, ist er auf jeden Fall. Das kann er alles irgendwie. Aber die Philosophie hinter Solo, vielleicht kann man, das kann sich muss, das kann sich nur mit Alter entwickeln, ja. Das kannst Du nicht so lernen irgendwie. Und das weiß er auch. Ja. Aber ich mein, der hat so ein Wissen mit 25, da das hätte ich gar nicht. Also ich kannte niemand in meinem, wo ich so jung war, der so doch einen. Der wurde dann der jüngste Professor an der Charité in Berlin. Der war so drauf irgendwie. Aber es war halt Genie irgendwie. Und dann aber bei den Jungen gibt’s ganz viele solche Typen, weil’s ja halt Mein Sohn ist genauso, der weiß alles irgendwie. Der weiß alles besser irgendwie.
M.T.
Aber das ist doch eher die Ausnahme.
G.H.
Aber es gibt’s mehr als früher, glaub…
M.T.
Glaubst also Sagt man nicht eher sagt man nicht eher, dass junge Menschen heute eher überfordert sind, also viel mit Endgeräten einfach nur zu tun haben, dass man gar nicht mehr, weil alles Wissen so abrufbar ist? Also ist das nicht eher das Klischee, dass junge Leute weniger wissen, weil alles so abrufbar sowieso abrufbar ist?
G.H.
Also ich glaub, es gibt mehr, die viel wissen, aber auch viel mehr, die weniger wissen.
M.T.
Ja, ich glaub, das stellt Diese das hat man ja so beschrieben als Knowledge Gap.
G.H.
Ja, aber das sind diese Nerds.
M.T.
Ja.
G.H.
Das ist typischer Nerd, wie mein Sohn auch. Das ist Nerd irgendwie.
M.T.
Ja.
G.H.
Politisch kann man dem nix sagen, philosophisch oder so. Jetzt auch irgendwie, also da komm ich gar nicht mehr mit, was der mir alles erzählt irgendwie. Und so geht’s mir ähnlich bei der Bratsche. Manchmal denk ich, wo erkennt der jetzt diese Aufnahmen? Und ich muss mir dann überlegen, ich vergess Ihren Namen. Ich habe die auch schon gehört, aber das…
M.T.
Aber die eigentliche Frage ist, ob das, was Du vorher gesagt hattest, diese charismatischen Persönlichkeiten, ob…
G.H.
Das weiß ich halt nicht.
M.T.
Geht’s da wirklich darum, viel zu wissen oder geht’s da darum, was zu was zu sagen zu haben auch einfach? Also ich habe vor Kurzem, ich weiß gar nicht mehr, aus welchem Anlass…
G.H.
Heißt nicht, das Wissen heißt nicht, dass man das umsetzen kann dann mit dem…
M.T.
Ich habe mich neulich mal aus irgendwelchem Anlass, an den ich mich nicht erinnern kann, mit der Biografie zu den Metas auseinandergesetzt und habe da also zum ersten Mal auch gelesen oder begriffen, wie der sich einfach auch politisch und gesellschaftlich einsetzt oder eingesetzt hat und was der da eigentlich auch für Positionen und für Haltungen auch vertritt und wofür der dann letztlich auch steht. Was einfach weit über das hinausgeht und wo man sagen kann, er hat seine Position als charismatischer Musiker eigentlich auch genutzt für noch mehr als nur Musiker zu sein. Was nicht jeder macht. Das machen nur ganz wenige. Und das machen auch von den Großen nur ganz wenige. Ich habe neulich so eine Begegnung gehabt auch in, sag jetzt keine Namen und so weiter, aber wo’s auch großes Orchester und ich mit denen was gemacht hab. Und drum wurde ich da dann hinterher dann hinter die Bühne geholt, da ins Dirigentenzimmer. Und ich war eigentlich eher entsetzt über den über diesen Habitus irgendwie, der den Ganzen noch so anhaftet. Also dass man da nicht irgendwie noch sich verbeugen musste oder so. Das hätte irgendwie so grad noch gefehlt. Also das fand ich das fand ich, da habe ich mich dann gefragt, aber was, also was trägst Du denn dann wirklich bei? Also was habt tragt ihr alle denn eigentlich wirklich bei?
G.H.
Als für mich immer gut, immer man hat natürlich nicht viele, also wenn man so ein Dirigent natürlich schon irgendwie oder als berühmter Komponist auch. Ich bin kleiner Komponist, verstehe ich. Aber ich die Politik, dass grade das Stück, was Sie vorher gesagt haben, New World November neunzehnhundertsechzehn ist direkt nach der Wahl von Trump entstanden. Durch die dieses Stück wurde habe ich ersten Preis dann New Yorker Philharmoniker bekommen, was Wettbewerb war, was ich gar nicht wusste irgendwie zu der Zeit. Seitdem eigentlich, seit Trump so kam und so, hat die Politik mich schwer und beschäftigt. Und ich konnte immer nur damit arbeiten, indem ich neues Stück geschrieben hab, indem ich selber das verarbeite, ja. Also jetzt dann Black Lives Matter und so, das haben wir alles. Ich habe Stück geschrieben für Chor und noch Rester mit MLK Texten. Wird nur in Deutschland wahrscheinlich oft geführt, weil ich weiß, wenn in Amerika geht es gar nicht irgendwie, Aber oder dann ein Streichquartett jetzt, das heißt Rage, dass auch Trump beeinflusst, ja. Also alle Stücke in den letzten Jahren, die ich schreib, sind politisch. Das ist das Einzige, was ich als Komponist eigentlich beitragen kann, Protest oder irgendwie oder drüber nachdenken oder ja.
M.T.
Ja, und ich mein, man muss ja gar nicht unbedingt Outride… Nee, jeder seine Irgendwie, bei unserem Festival ist es ja auch so, wo es dann einfach Fragestellungen gibt, die die da drüber rausgehen, ne. So wo man dann einfach durch bestimmte Kompositionsaufträge oder Du verarbeitest jetzt Sufi Gesang und wir haben eine iranische Komponistin, die mit Oral History arbeitet, also dieser mündlichen Tradition im Iran oder im arabischen Raum und israelischen Komponisten, der was macht auf Basis von Schofarim und wo sich wo dann jeder da irgendwas mitbringt und es sich so zusammenfügt. Und im Grunde genommen ist es überhaupt nicht politisch, aber es ist irgendwie mehr. Das ist schon…
G.H.
Dieses das ist dieses, es wird dann politisch natürlich sehr schnell, aber Also…
M.T.
Und das ist eigentlich nicht so schwer, verstehst Du? Eigentlich ist es nicht so schwer, weil wenn man einfach nur…
G.H.
Also dieser Sufi Gesang ist nicht das Einzige. Ich war auf dieser Insel Goree, weißt Du? Das ist der westlichste Punkt Afrikas, wo ganze Sklaven verschickt wurden. Und also wo ich da alleine dort war, war das schon Wahnsinn, aber jetzt war ich mit meiner Vater. Und meine Frau kommt aus Kamerun und wurde wahrscheinlich, die Familie wurde über Gieret verschleppt. Und da siehst Du in dieser Insel und siehst dieses Gefängnis der Sklaven, wo die dann saßen drin. Und meine Frau ist natürlich aufgelöst, sag ich irgendwie. Und dann denkst Du über diesen ganzen Sklaven, 300 Jahre Sklavenhandel nach und Kolonialismus und so. Und das kommt dann automatisch in meine Komposition, verstehst Du? Irgendwie das ist das ist das kann da komm ich grade drum rum irgendwie. Das Und dann hatte ich noch, während ich dort war, alleine dann diesen Abend immer, wo die Sufis gesungen haben. Und dann hat sich das halt verbunden irgendwie, ja. Es klang für mich Wie so ein Gesang, der diese Sklaven sozusagen besingt, die da in dem Meer versunken sind vor der Insel irgendwie. Und ja, so was, dann muss ich das musikalisch bearbeiten auf jeden Fall. Dasselbe für mich zu verarbeiten. Und ich glaube ja, dass es in der klassischen Musiktradition auch immer so war.
M.T.
Also ich habe mich jetzt eben aus gegebenem Anlass mit Schostakowitsch auch mehr beschäftigt und da ist es ja so dieses Zwingende oder wie das in die Musik reinmusste, also diese diese…
G.H.
Also Beispiel.
M.T.
Zeitumstellung und diese Spannungen, unter denen er als Mensch auch einfach stand. Und das ist ja nicht nur bei Schostakowitsch so, sondern das ist auf eine Art dann auch bei Beethoven und bei ganz vielen anderen, aber dann und man spürt, ich glaub auch, dass ich habe auch neulich mal irgendwie, ich glaub, das war irgendeine Aufnahme von was Originales war von oder irgendwas, wo ich mir dann dachte, dass hat so was Zwingendes. Also wenn Du diese Originalaufnahmen damals einfach anhörst, das hat so was. Und diese Kraft, die spürt man, finde ich, in der Musik, egal aus welcher Zeit sie stammt. Und dass das dann aber heute so als so ein rein gesellschaftliches Event, wo dann irgendwie, dass das da so weich gespült wird irgendwie, das ist, glaube ich, eher so das. Es ist ja, die Musik ist ja halt unschuldig. Es sind eher so die die Kontexte, in denen das stattfindet, glaub ich, eher. Wo sich das dann irgendwann nicht mehr vermittelt, diese Kraft.
G.H.
Weiß ich gar nicht, ob die Kraft sich nicht vermittelt. Also wenn man jetzt in die ESA Philharmonie geht oder so was irgendwie, wo man halt hingeht, wenn man Abo hat oder was nicht. Also ich schon, dass die Kraft der Musik dann schon vermittelt, dass das rüberkommt. Aber es gibt halt sehr viele Programme, die einfach so zusammengestellt werden, dass das gar nicht vorkommt.
M.T.
Ja, ja, das mein ich. Das mein ich, genau. Dass diese dass die die vermeiden sozusagen die das das Reiben aneinander, ja. Das vermeiden die, weil die wollen nicht, dass das Publikum verstört ausm Konzert geht, ja. Ich weiß noch genau, wie heut irgendwie in ich saß. Ich saß, Ann-Sophie Mutter macht mit den New Yorker Philharmonikern Mozartkonzerte. 3 Violinkonzerte von Mozart in einem Konzert. Furchtbar. Und dann Stück von Wolfgang Riem.
G.H.
Okay.
M.T.
Für sie geschrieben. Okay. Aber auch harmonisch. Also…
G.H.
Ich wollt’s grad sagen, wahrscheinlich jetzt auch. Es war jetzt nicht irgendwie modern oder so. Da saß die ältere Frau neben mir, wahrscheinlich eine Sponsorin von New Yorkfilme. Wirklich Wahnsinn, fand ich irgendwie tierisch. Und ich fand es so langweilig, dieses Programm, das war furchtbar. Ich fand das so furchtbar.
M.T.
Oh Gott, ja, das kann ich Also da und das ist aber, das meine ich aber. Und dann das tut ja auch, das wird ja auch Mozart nicht gerecht, weil er, weil diese Stücke ja auch nicht geschrieben wurden, dann, dass man dann 3 davon hintereinander spielt. Und genauso geht es mir mit ganz oft mit Sinfoniekonzerten, wo ich mir denk, diese Sinfonie ist doch jetzt in sich so rund. Also ich war in Mala 2 war das oder Mala 4. Genau, also auf jeden Fall, genau, Und das war so großartig. Wo wenn’s ist? Dass das, ich weiß schon nicht mehr, wer Das ist schon wieder länger her.
G.H.
Okay.
M.T.
Das war hier in der Isar Philharmonie. Ja, das war…
G.H.
Ja, ja, Radiosender von den…
M.T.
Nein, nein, das waren die Münchner Philharmoniker.
G.H.
Ah, okay, dann war’s noch kurz. Nee, nee. Weiß ich nicht mehr.
M.T.
Aber und das war das war so großartig und ich hätte nicht mehr gebraucht. Mhm. Ich fand es einfach ausreichend. Und ich hätte wäre dann einfach eigentlich total gerne nach Hause gegangen und hätte einfach nur diese eine Symphonie gehört, so wie wenn Du zu Hause dir was anhörst, Du dir auch eine Symphonie anhörst und nicht dann noch eine. Ich glaub dann danach kam dann Pro Kopfjew und da war der Maler dann halt irgendwie weg. Also der war halt aus meinem Kopf dann auch irgendwie raus. Mhm. Und ich dacht mir dann auch so, warum denn? Warum kann man denn nicht eine Symphonie spielen und dann nach Hause gehen? Aber so ist es halt nicht. Oder sie zweimal hintereinander spielen. Oder so. Dann hören wir nämlich neue Sachen. Genau. Fand ich… ist schon zu lang wahrscheinlich dafür. Ja. Aber hast Du schon mal, was hast Du auch schon gemacht, oder? Zweimal hören. Ja. Ja, das ist ja mein Format. Also das ist nicht mein Format, aber das habe ich für die Körperstiftung gemacht. Nee, ich find das ja, dass ich bin da ja Riesenfan nach wie vor davon. Auch richtig da was drüber zu sprechen auch, über die Musik, bisschen was da drüber. Auch mal drüber zu lachen. Vielleicht reden wir dann noch mal ganz kurz über Humor. Jetzt waren wir jetzt immer so ernste Themen, aber ich wollte, grad weil Du jetzt auch grad beschrieben hast, dass Du schon auch sehr politisch dann schreibst oder dass diese… Ja. Dinge, die Du beobachtest, dann in die Musik einfließen. Also ich habe auch eine Politik, die mich verstört, kann ich einfach über Musik bearbeiten. Und das find ich toll, weil sonst würd ich ja nur irgendwie frustriert sein irgendwie. Und wie kam’s zu diesen Comedyprojekten? Weil das ist ja schon was ganz anderes.
G.H.
Ja, das war halt von Anfang an, das war Wir sind einfach humorvoll. Wir hatten wir hatten wahnsinnige Ideen irgendwie. Ja, und es, wie gesagt, das gibt’s ja immer noch irgendwie. Und wir haben halt einen, der der steht nur auf die Bühne, dann lacht schon jeder, da muss man gar nichts machen. Das ist wie Valentin eigentlich, so ein Typ irgendwie. Und Freunde und ich, mein Bruder und ich mussten so Mein Bruder ist auch so ein bissel, der ist beleibter wie ich und ist halt der Bassist. Und wenn der auf die Bühne geht, ist auch schon Für mich war’s am schwersten, das Comedy Typ, das Comedy Sache zu machen. Aber es ist einfach befreiend, humorvoll mit Musik umzugehen. Und ich habe wahnsinnig viel gelernt für die auch irgendwie, weil das auch immer so theatermäßig war. Und wir haben einfach total crazy Ideen. Wir hatten dann eine Show, die hieß go for Gold und das war alles musikalische Wettbewerbe.
M.T.
Mhm.
G.H.
Es war eine musikalische Olympiade. Wir haben dann Synchronschwimmen mit 4 Blockflöten und eine wahnsinnige Choreografie. Und da haben wir die Air vom Bach mit 4 Blockflöten und Tai Chi Bewegungen. Kannst Du immer noch sagen, auf YouTube gibt’s das immer noch irgendwie. Und mein Bruder hat dann und dann haben wir, einmal mussten wir dann für das Olympia Pferd mussten wir die Musik schreiben für die Kür. Irgendwie war das…
M.T.
Ernsthaft?
G.H.
Ja, ja, das war das…
M.T.
Was heißt das? Dressurreiten.
G.H.
Ach so. Genau.
M.T.
Was? Und der der… Mit Tango Feill.
G.H.
Ja, genau. Der der der Olympia Gewinner jahrelang. Ja. Ist Freund von meinem Bruder und der wollte unbedingt, dass man die Musik schreibt.
M.T.
Wie heißt der? Das ist doch der Ich weiß, ich… Ja, ja, das muss der gewesen sein. Ja, ich weiß schon. Ja, mal gucken, wenn’s Jedenfalls, spricht übermäßig über die…
G.H.
Das war der größte Erfolg. Wir wussten nicht, dass das so passiert. Jetzt haben wir erst bei der Uraufführung von dem Stück ist das total Das Publikum ging völlig Wir wussten nicht, dass das passiert. Das war das war zum Beispiel Riesending und diese ganze Show war sehr gut. Es gab verschiedene. Wir hatten mal eine Show, die hieß, wir spielen heut wie Waldi, also wie… Ah. Ja. Oder in ’ner Bar, wo man als Kellner irgendwie spielen und am Ende kommt dann erst der Gast, der hat gar nicht erwartet, dass es kommt.
M.T.
Und ihr habt das alles selber? Ihr hattet nie irgendwie sonen Witzeschreiber oder Skriptwriter oder Regisseur.
G.H.
Ich habe ’n Freund, der hat Regie gemacht dann. Aber die die Stücke haben immer selber gestellt.
M.T.
Aber ist das nicht auch Druck? Also wenn Du dann so megaerfolgreiche Programme landest, dass das Nächste dann wieder so lustig sein muss?
G.H.
Das ist Druck, ja. Es war Druck.
M.T.
Gab’s da auch so Momente, wo ihr dacht, so, och, fällt uns grad gar nix Lustiges ein?
G.H.
Klar, wir haben, so eine Show auf die Bühne zu stellen, haben wir 2 Monate lang geprobt.
M.T.
Mhm.
G.H.
Aber dann war sie natürlich 3 Jahre lang auswendig da. Abgefallen. Eine Show war auch mit meiner, da war meine Schwester dann dabei. Die kam dazu und es hieß Euroflott.
M.T.
Wie hieß die Nummer?
G.H.
Euroflott, damit der Rubel wieder rollt. Das war…
M.T.
Jetzt habe ich noch so einen letzten Punkt, weil Du’s jetzt schon paarmal erwähnt hast, dass Du mit deinem Bruder spielst und deine Schwestern Wie bist Du eigentlich überhaupt Musiker geworden? Also seid ihr, ihr scheint eine recht künstlerisch begabte Familie zu sein, oder?
G.H.
Die Eltern sind auch Musiker. Die waren Musiklehrer am Gymnasium und mein Vater hat Geige studiert. Und der kann, mein Vater kam aus Ost Tschechien, als Flüchtling sozusagen. Sein Vater war so Sudetendeutscher, seine Mutter war Roma, Ungarn, also Song, ja. Die kamen einfach nach Deutschland nach dem Krieg. Und deswegen ist da dieser Bezug zur osteuropäischen Musik da und so. Und mein Vater war der 1., der in der Familie studiert hat, Musik studiert hat. Die Geige geht zurück über mehrere Generationen, ja. Also der Erstgeborene hat immer Geige gespielt über 5 Generationen. Das ist toll. Und mein Vater war der 1., der dann studieren konnte, musste dann aber aufhören. Der hat schon Musik studiert und konnte hätte weiterstudieren können beim Ottnopusuf, das war der große Geiger in Stuttgart zu der Zeit, musste aber aufhören, weil sein Vater arbeitslos wurde und hat dann Schulmusik gemacht. Und der war auch immer zufrieden. Mein Vater, der ist ja auch, der lebt noch und ist fit irgendwie, aber er hat es nie bereut, aber hat dadurch uns alle Freiheiten gelassen. Wir durften machen, was wir wollten. Also wir durften einfach freie Musiker werden.
M.T.
Mhm.
G.H.
Genau. Und ja, wir haben halt von Anfang an in der Familie gespielt und haben Storch gewartet. Meine Mutter hat Bratsche, mein Vater Geige, ich Geige und mein Sohn, mein Bruder Cello. Meine Schwester ist bisschen jünger, die kam später, die hat dann Klavier studiert irgendwie. Aber Musik war halt immer in der Familie. Und sind alle Musiker. Toll. Schön. Das so die, wenn das so eigentlich so das Leitberufsbild ist.
G.H.
Ja, ich glaub, also mit 15 so hatt ich dann mal, dacht ich, das wollt ich, ich werd museum. Mein Sohn spielt zum Beispiel auch sehr gut Geige. Der spielt der spielt sehr gut Geige, aber hat sich ja anders entschieden, was natürlich für mich als Vater bisschen schade war, aber ich glaub, dass die Musik trotzdem immer in seinem Leben sein wird. Meine Tochter auch, die wird eher ins Künstlerische gehen, also bildende Kunst. Aber beide spielen Instrumente und weil mein Bruder ist der Einzige, der jetzt wirklich professionell Musiker ist, ist der Sohn, der macht die Rikas, ich weiß nicht, das größte diese Band Rikas.
M.T.
Mhm.
G.H.
Die sind recht erfolgreich. Man nennt sie auch Swabian Beach Boys. Spannend. War das ja quasi fast bisschen vorgezeichnet. Und jetzt hast ja schon erzählt, dass Du dir schon da mit dem Sabbatical schon paar Wünsche erfüllt hast. Trotzdem die Frage, was denn jetzt noch so was, wo Du sagt, das will ich jetzt gern als Nächstes angehen, wenn ich die den Freiraum hätte oder die Möglichkeit? Ist ja so ein Traumprojekt.
G.H.
Also ich mein, dieses Caravaggiostück auf die Bühne zu bringen, ist Traumprojekt auf jeden Fall.
M.T.
Würdest Du das mit dem Bild auch machen oder nee?
G.H.
Aber mit dem Licht.
M.T.
Mhm.
G.H.
Ich würd einfach gern das Licht, aber da müsst ich auch noch die richtige Person ein finden. Da bin ich schon am, vielleicht kennst Du ja jemand, der das sehr gut ist, jemand, der das mit mir durchgeht, weil da habe ich natürlich viele Wünsche reingeschrieben, die vielleicht gar nicht gehen.
M.T.
Wir haben möglicherweise einen ziemlich sensationellen Lichtdesigner fürs… Okay, das wär doch dann schon mal guter Punkt. Dann kannst Du den da mal schon mal gleich interviewen. Genau. Und das wär also das hätt ich gern, dass das funktioniert natürlich. Ich habe nur viele Ideen für Kompositionen, was ich gern machen würde. Und dieses Trio, was ich gesagt hab, ich glaub, das ist für mich will immer mehr die Freiheit in der Musik finden, ja.
M.T.
Wie war das, Takeshi, Hübner Takeshi und was war das?
G.H.
Nagai, Hübner, Takeshi.
M.T.
Nagai, Hübner, Takeshi. Aber war nicht schlecht, oder? Ich habe mit den Takeshi schon gemerkt. Nagai, Hübner Takeshi. Ja. Das merken wir uns jetzt.
G.H.
Satoshi Takeshi heißt der.
M.T.
Satoshi Takeshi.
G.H.
Und der war ist auch legendärer Typ eigentlich, weil und die Schoko auch eigentlich. Und da fühl ich mich, also ist irgendwie witzig, weil das ja 2 Japaner sind, die aber auch schon lange in Amerika leben. Aber die Japaner sind dann noch mal spezielle Typen irgendwie.
M.T.
Ja, ich habe in USA auch einige Japaner kennengelernt. Das fand ich auch diese unfassbare Konzentration. Daraus.
G.H.
Ich leb ja, ich mein, in Sirius, hatte ich ja schon lange mit Chinesen. Wir haben leider keine Frau in der Band, aber es ist sehr divers, Chinesen, Kanadier oder Deutscher irgendwie. Ist jetzt auf jeden Fall diverser geworden durch den neuen, der indischstämmige ist irgendwie. Aber es ist anders. Die Chinesen sind anders als die Japaner, ganz anders. Und aber die 2 es wird in die Konzentration, das stimmt. Und das gefällt mir. Es ist noch nicht ganz ausgegoren alles, aber ich glaube, wir müssen spielen.
M.T.
Mhm.
G.H.
Und wenn wir spielen, dann wird sich das entwickeln, glaube ich.
M.T.
Wir hatten bei uns an der Uni in Chicago einen japanischen Saxofonisten. Das war ein so ein Tier. Also es war so ein Genie. Ich glaub, irgendwie so am dritten Tag an der Uni hat man mir schon gesagt, das ist der Wahnsinn. Und der war wirklich, der hat, glaub, 10 Stunden am Tag geübt und der hat immer im Keller gegen das Heizungsrohr gespielt. Also wir haben sowieso immer alle gegen die Wand in die Ecke gespielt, damit Du dich selber halt, also mit der ist bezogen. Der hat da und da war so ein Heizungsrohr und dann hast Du den im ganzen Studentenwohnheim und der hat ja wirklich so. Und das ging echt stundenlang und der hat also das, ob der überhaupt Luft geholt hat, habe ich manchmal gefragt, weil der halt auch diese Permanent Atmung erstattet hat. So und so waren die irgendwie, die japanischen Studenten nicht alle so erlebt. Ich dachte so, Wahnsinn.
G.H.
Aber John Coltrane war ja auch so. John Coltrane war auch so. Also, das war sehr schön.
M.T.
Ich glaub, wir könnten jetzt noch ewig klingen, weiterhin. Länger geworden, gell? Das so eine ganz normale, ja, schon bisschen längeres Gespräch, aber machst ja auch unfassbar viel. Jetzt gibt’s immer die letzte Frage ist immer noch, Du hast ja eine Muttersprache neben Deutsch, nämlich Schwäbisch.
G.H.
Mhm, genau.
M.T.
Möchtest Du noch eine Verabschiedung auf Schwäbisch vielleicht machen für unseren Podcast?
G.H.
Oh, das müssen wir jetzt überlegen. Immer das. Was? Okay, ich sag’s. So ist auch wieder. Immer genug zum Schaffen.
M.T.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Auf Wiederhören.