When The Sun Stands Still
Münchner Feuilleton
„Alles ist möglich, wenn man die Idee hat, ein Festival
anders als üblich zu gestalten.“
Es geht um das Zyklische in der Natur, um die Vielfalt und den Reichtum unserer Landschaften, um den Schutz unserer Biotope. Und um die einzigartige Verbindung von ländlichem und urbanem Raum.
182 Tage fand sich täglich ein Publikum auf dem Grundstück des im Werksviertel geplanten Konzerthauses, sitzend auf Liegestühlen am Boden, den Blick Richtung Osten gerichtet, wo Alain Roche in der Vertikalen hängend spielt. Ein Bild das um die Welt ging und internationale Aufmerksamkeit erregte.
Der Künstler Alain Roche spielte 2024 ein halbes Jahr lang, von Sonnwende zu Sonnwende, jeden Morgen vom Kran hängend in die blaue Stunde hinein eine Komposition. Per Live-Stream werden die Klänge Bayerns zugespielt – über hochsensible Mikrofone, die in ganz Bayern platziert sind, in der Erde, unter Baumrinden, im Wasser, im Eis, auf Bäumen… Das Erwachen der Natur – in den Tag und in den Frühling hinein – wird Teil der Komposition. Welche der 32 Klänge das sind, entschieden die Sounddesigner Stéphanie Boll und Pablo Diserens, die vom Boden aus täglich neu. In Echtzeit reagierte Roche darauf und entwickelte so seine Komposition täglich weiter.
When The Sun Stands Still zeigt, wie der Klang Bayerns auf besondere Weise eingefangen und an einem Ort zusammengeführt wird. Und wie Kunst dazu beitragen kann, ein Bewusstsein für die Schönheit unserer Naturräume zu schaffen.